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Zuletzt aktualisiert: 12. Mai, 22:27
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Diese Woche werde ich hier wohl nicht mehr viel. Bis ich mich wieder zu Wort melde, lasse ich ein kleines Video vom letzten Sonntag hier. Wie gewohnt im schlechten Sound, aber im Ansatz toll. Neue Kamera ist auch schon bestellt ...
Übrigens: Lo würde sagen: Bissi Tage! Und Helmut Schmidt wurde schon wieder beim Rauchen erwischt. Im ICE. Bordrestaurant. Aber wir sind ja nicht seine Mutter ...
Von August bis Ende des Jahres gibt es einige Vorträge im Buddhistischen Zentrum in der Thadenstraße, Hamburg St. Pauli. Die Thadenstraße ist übrigens die gefährlichste Straße der Stadt. Aber das ist ein anderes Thema. Diese Vortragsreihe beleuchtet "verschiedene Aspekte des Buddhismus". Im letzten Jahr habe ich mir drei ganz ähnliche Vorträge mal zu Gemüte geführt.
Das Buddhistischen Zentrum in der Thadenstraße hängt der tibetischen Karma-Kagyü-Linie an und hat mit dem Dalai Lama deshalb wenig zu tun. Der tibetische Buddhismus der Karma-Kagyü-Linie ist wirklich sehr eigen und man versteht oftmals nur Bahnhof. So kann ich schon einmal vorwegnehmen, dass ich es nur schwer nachvollziehen kann, wie man es als gestandener Westler fertigbringt, einem Diamantweg selbstlos zu folgen.
Wenn ich jetzt etwas rauher an die Sache ranginge, würde ich sagen, dass dafür im Schädel irgendetwas aussetzen muss, ähnlich wie bei dem Glauben an die Jungfrauengeburt. Wenn ich mich mäßige, sage ich, dass diese Karma-Kagyü-Linie nicht jedermans/fraus Sache ist. Natürlich ist diese nur EINE Ausformung des Buddhismus.
Man sitzt nun im großzügigen Meditationssaal des Zentrum und lauscht dem oder der Vortragenden. Man bekommt vorgetragen, dass der Buddhismus eigentlich kein Glaube im Sinne eines Glaubesn sei. Sondern eine Erfahrungs-Religion. Nein, eine Religion sei man aber auch nicht richtig. Psychologie - doch nicht wirklich. Dass man als Buddhist der Karma-Kagyü-Linie wie selbstverständlich an Wiedergeburt, Karma, Auflösung des Ichs und Erleuchtung GLAUBT, schien für die Vortragenden natürlich kein Widerspruch.
Ja, es ist mein altes Thema: Die Illusion des Ichs! Da sitzt ein Ich, also nicht ich jetzt, und erzählt, dass es eine Illusion sei und mein ich, also ich jetzt, ebenfalls, und dass man als Buddhist unterwegs wäre, jede Grenze eines Ichs aufzulösen. Um die Wahrheit zu erkennen. Immer wenn es um Themen wie Entgrenzung und Blabla geht, wird es sehr beliebig und wenig (be)greifbar. ICH bin ein Typ, der es KONKRET braucht - oder eben gar nicht. All die vielen Worte zu denen man schön sitzen kann ...
Klar wird diese Sache im Anschluß an die Einweisung. Da gibt es nämlich die täglich-wöchentliche Massenmeditation mit dem Namen: Drei-Lichter-Meditation. Am Donnerstagabend schweben locker 200 Menschen zur Meditationsstunde in die großzügigen und äußerst angenehmen Räumlichkeiten des Buddhistischen Zentrums auf St. Pauli ein. Sehr hoher Frauenanteil. Sehr knackig. Es handelt sich um eine "geführte" Meditation. Man bekommt eine kurze Anweisung, etwa dass es optimal sei im Lotossitz mit geschlossenen Augen zu meditieren. Und so begibt man sich dann auf die neue Reise ins alte Tibet.
Man soll den Karmapa visualisieren, wie er aus den Nebeln des Geistes als durchscheinendes Wesen dem Jünger, ehm, Buddhist erscheint. Nun richten sich aus ihm drei Farbstrahlen auf den Meditierenden. Jede Farbe hat ihre Bedeutung und wird vom Sprecher erklärt. Dann ommen alle gemeinsam, danach omt fünf Minuten jeder HÖRBAR vor sich hin.
Nun wird "die Erscheinung" wieder zurückgenommen und man erwacht erfrischt aus der eigentümlichen Versenkung. Es wird ein Blatt Papier mit dem gedruckten Text eines tibetischen Liedes ("kniki pnöki knüzi nuk" - irgendwie so etwas) gereicht, das zu meiner großen Überraschung plötzlich alle zusammen in den Saal trällern. Die Melodie erschließt sich mir ebenso wenig, wie die Bedeutung der fremden Worte. Tibetisch halt, also komplett gnfnödl.
Dabei haben wir eine so schöne Sprache, die ich verstehen und auch singen kann. Nein, es muss tibetisch sein. Der Unterschied zur scheusslichen abendländischen Kirchenmusik mit ihrem verhallten Orgelspielen ist eigentlich nur ein sprachlicher. Doch hier ist es tatsächlich noch schlimmer - man mag es schaurig-exklusiv und disharmonisch-exotisch. Also mir hat sich die Energie vom Karmapa SO nicht erschlossen. Ich mags zwar abgefahren, aber das war mir dann doch zu schräg.
Ein Wort noch zu den dortigen Buddhisten und Buddhistinen: Sie haben sich ihr wunderschönes Zentrum selber und mit eigenen Mitteln ganz im Sinne einer selbstlosen, teilenden busshitsischen Haltung aufgebaut. Sehr löblich und bewundernswert. Ja, es sind dynamische, sehr attraktive Menschen der oberen Mittelschicht. Und auch das stimmt mich befremdlich. Was aber zieht diese jungen Menschen so an? Was ist es WIRKLICH?
Die Gemeinschaft, das Dazugehören, die Exklusivität und das Besondere? War das nicht schon immer so, dass man sich Vereinen, Führeren und Meistern anschloß um sich nicht verloren zu fühlen? Man will sICH befreien und erlösen und sich in extravagentem Wohlgeruch in den Armen liegen? Die verschrobene Richtung eines kulturell befremdlichen tibetischen Buddhismus kann es doch nicht sein, oder?!
Der allenthalb zitierte Held und als Erleuchteter verehrte Däne Lama Ole, der diese Zentren als europäisches Oberhaupt leitet, wohl auch nicht. Er ist derselbe Typ Mensch, der von dieser Richtung des Buddhismus angezogen wird.
Ich kann da nicht mitmachen, weil ich mein Ich noch brauche. Damit ich nicht überschwemmt werde von Äußerlichkeiten, von fremden Gedanken (anderer ICHs), mit Haltungen, die sich in anderen Kulturkreisen unter völlig anderen Bedingungen entwickelten; und damit ich ich bleibe - eine Sünde im Buddhismus und vielleicht DESSEN große Illusion.
Übrigens: Ich mag den Buddhismus. Aber muss es denn immer dieses alte Geseier sein? Diese Ichlosigkeit und Erleuchtung, die nie eintritt? Und die rauhe Seite des Buddhismus? Die rücksichtlose, traditionelle Karmalehre, die viele einfach im Elend belässt? Vielleicht höre ich mir demnächst nochmal einen Vortrag an. Die Bilder im Beitrag sind wie immer verlinkt und verweisen damit auf Autor und Herkunft.
Von Süden kommend nach Hause. Freude. Die A7 fährt direkt in den Hafen. Rechts die Köhlbrandbrücke, links der geschäftige Containerhafen, der nachts wunderschön leuchtet. Vor uns Altona und in der Ferne der weiße Fernsehturm. Dann hinab in den Elbtunnel. Auf genau dieser Strecke bekomme ich oft seltsame Ideen. Eine kleine experimentelle Arbeit.
Mir sei ein kleiner Bericht über den Dalai Lama in Hamburg, eine kleine persönliche Nachschau, zugestanden. Auch wenn das nicht grad up-to-date scheint. SPIEGEL ONLINE sprach von einer Dalai Lama Manie. Wie nun sah diese vor Ort aus? Ein Bericht.
Es fuhren Sonderbusse. Der HVV, der Hamburger Verkehrsverbund, setzte am Sonntag zusätzliche Busse ein und ließ seine Fahrer Sonderschichten kurven. Mich überraschte das zunächst. Doch als ich sah, dass ein ganz normaler Bus an einem regennassen Sonntagnachmittag proppevoll wurde, wusste ich Bescheid: ER ist in der Stadt. Die Tennis-Arena am Rothenbaum fasst tatsächlich 10.000 Menschen. Und die kamen auch.
Was als erstes ins Auge fiel - zumindest in meines - waren die vielen jungen Menschen, die ihn anpilgern. Junge, attraktive Menschen, in der Regel Frauen. Die sind natürlich nicht in meinem Video weiter unten zu sehen. Warum nicht eine Buddhistin, dachte ich. Im Tempodrom beim Dalai Lama war das Publikum aber altersmäßig gut durchmischt.
Vielleicht lag es ja daran, dass ich in einer Art regligiösem Dreieck wohne. Hinten eine christliche Splittergruppe, die Straße runter tatsächlich ein Tibetisches Zentrum. Keine 10 Minuten Fußweg eine weitere tibetische-buddhistische Gruppe, deren Oberhaupt allerdings nicht der Dalai Lama ist, dessen schönes Gebäude aber auf den Namen "Buddhistischen Zentrum" hört. Davon berichte ich noch ...
Der Dalai Lama ist etwas Besonderes und der Besuch einer seiner Vorträge ist es auch. Man fragt sich unwillkürlich, warum das so ist und was die vielen Menschen von ihm wollen. Eine Antwort ist schwierig und komplex.
Das, was er sagt, das kennen wir alles schon. Es ist nichts Neues und auch nicht erleuchtend. Es ist seine Art, wie er es sagt, wie er redet, wie er lacht. Nach einer halben Stunde ist er warmgeredet und voll in seinem Element. Der Vortrag, den ich besuchte, hieß: "Mitgefühl in einer globalisierten Welt". Nun, mit Wirtschaft oder Globalisierung hatte das nichts zu tun. Und ich muss zugeben, dass ich ihn in Fernseh-Interviews besser finde.
Wie Erich Follath in seinem Buch Das Vermächtnis des Dalai Lama weiß, schreibt seine Heiligkeit die Bücher, die unter seinem Namen veröffentlicht werden, nicht selbst. Natürlich nicht. Und sie sind im Grunde nur Blabla. Auf SPIEGEL ONLINE ein erhellender Artikel von Erich Follath: Der Dalai Lama und die sieben Missverständnisse.
Seine Heiligkeit erzählt Anekdoten, sein Auftritt bereitet ihm offenbar Vergnügen. Er erzählt von George Busch, dass er ein umgänglicher, unkomplizierter Kerl sei, der gerne direkt zur Sache komme. "He is nice". Der Dalai Lama hatte ihm nach dem 11. September einen Brief geschrieben in der Hoffnung, dass die Antwort auf diesen Terror nicht Gewalt sein möge. Der Dalai Lama meint, es sei eine neue Herausforderung, der man mit neuen Antworten, Strategien begegnen müsse ... und nicht mit althergebrachten, gewaltätigen Lösungen.
Er redet von Europa und glaubt, dass die Europäische Union ein Vorbild für die Zukunft der Welt sein könne. Es sei noch nicht lange her, da hätten sich Deutsche und Franzosen gehasst. Nun ist das vorbei, man sei, bei aller Meinungsverschiedenheit, zu einer Einheit geworden, Krieg sei unmöglich, man arbeite zusammen. Und so weiter. Und er hat damit natürlich recht, die EU ist eine wundervolle Sache und wir sollten sie sehr wertschätzen.
Das wars eigentlich im Groben von Seiner Heiligkeit. Ja, man dürfe die Menschen moslemischen Glaubens nicht alle über einen Kamm scheren, es gäbe überall solche und solche, die meisten seien friedfertig. Natürlich. Wie gesagt, im Westen nichts Neues.
Gegen Ende wurden dem Dalai Lama Fragen aus dem Publikum gereicht und ich dachte, ich höre nicht richtig. Aber klar, da waren sie, da kamen sie durch, die Esoteriker. Ich musste lachen. Eine Frage lautete zum Beispiel sinngemäß:
"Wie soll sich ein friedfertiger Mensch, der Gewalt ablehne, gegenüber Krieg und Genozid verhalten?"
Tja, die Antwort des Dalai Lama dürfte für manche enttäuschtend ausgefallen sein. Aber seine Heiligkeit ist kein Christ. Und das ist gut so. Er antwortete als Buddhist und es ist keinesfalls so, dass Buddhisten Gewalt unter allen Umständen grundsätzlich ablehnen. Der Dalai Lama meint, die Haltung dabei sei entscheidend. Ob man voller Hass und Bosheit handelt oder ob man die Waffen gebraucht, weil man sich dazu gezwungen sieht und verteidigen muss.
Ich halte von solcher Fragestellung nichts, weil es im Grunde keine offene Frage ist und eigentlich eine gewisse Antwort schon erwartet. Und so auch die nächste sinngemäß: "Kann spirituelle Praxis Klimawandel und Umweltzerstörung aufhalten (helfen)".
Seine Heiligkeit glaubte zunächst, nicht recht zu hören: "What?"
Da lachte das Tempodrom. Nein, er fürchte, spirituelle Praktiken könnten an dieser Stelle nichts ausrichten. Tja, gesundbeten und den Globus heilmeditieren ist eben nicht, liebe Durchgeknallte. Das ist offenbar sehr schwierig für vergeistigte Menschen nachzuvollziehen. Vor allem für neurotische Westler.
Manchmal ist es einfach zu offensichtlich, dass Religion eine ganze Persönlichkeit kompensieren soll. Sprituelles Gewäsch propft sich auf die gestörten Anteile eines Individuums, das nun nach Erleuchtung oder Erlösung sucht, und dann kommen solch krude Fragen dabei heraus. Und die Figur des Dalai Lama, die einer geheimnisvollen, exotischen und sehr alten Kultur entstammt, lädt zwangsläufig zu Projektionen und Heilserwartungen ein.
Doch ich finde es eine sehr interessante Sache, dass sich so viele Menschen hier in Deutschland zum Buddhismus hingezogen fühlen. Dabei ist er gar nicht so einfach zu verstehen. Und schon gleich gar nicht seine tibetische Ausformung. Viel kommt allein bei der Wiedergeburtslehre durcheinander. Ich würde dazu gerne etwas sagen, aber das würde diesen Rahmen hier sprengen. Vielleicht ein andermal.
Dieser Dalai Lama, der als Reinkarnation seines Vorgängers gilt, ist für viele tatsächlich ein Heiliger Mann, ein Erleuchteter, ein Lichtwesen, ein Buddha. "Buddha des Mitgefühls" ist denn auch einer seiner Titel. Das wirkt natürlich auf viele Menschen, die sich mit diesem "östlichen" Gedankengut auseinandergesetzt haben, fast magisch. Es spricht für eine gewisse Sehnsucht in ihnen. Und es ist nicht das Schlechteste, dass sich hier so viele für diesen ungewöhnlichen Mann begeistern können. Ein Buddha des Mitgefühls muss denn auch gar nicht so viele weise Worte REDEN - und macht es auch nicht. Es ist eh alles schon gesagt.
Ich habe nichts dergleichen erwartet und bin ganz unschuldig an die Sache rangegangen. Natürlich gerieten einige ehrgeizig nach Erleuchtung Suchende in Extase, in stille Extase. Es war keine Seltenheit, dass einige von ihnen täglich, eine ganze Woche lang, zu den Vorträgen des Dalai Lama pligerten. Aber wehe man schaut sich deren Lebensgeschichten an - ich würde an ihrer Stelle auch ins Licht wollen. Mag zynisch klingen, aber ich kann unreflektierte Leute, die recht LAUT einem solchen Erlösungs- und Erleuchtung-Kult tatsächlich anhängen, nicht ernstnehmen. Denn meist vernachlässigen sie dringende Hausaufgaben.
Ein paar mehr Bilder gibt es hier. Ein schönes Video in Englisch via Doc Blog:
Ich mag den Dalai Lama und schätze ihn sehr. Ich glaube, ganz ähnlich, wie ich auch über Johannes Paul II denke, der Dalai Lama hat nicht nur für seine Landsleute eine sehr wichtige Funktion. Zu wem sollen wir sonst aufschauen, wem vertrauen, wer sonst könnte für eine andere, eine bessere Welt stehen, für Hoffnung, Licht, Freiheit, Mitgefühl und Liebe? Es gibt da sonst niemanden. Als sei der Dalai Lama der letzte seiner Art.
Es geht immer nur um Wirtschaft, Ökonomie, Geld und Arbeit, Karriere, Urlaub, Unterhaltung, Vergnügen. Vielleicht geht es auch noch um Beziehungen, Partnerschaft und manchmal auch um Kunst. Was aufs Gleiche rauskommt. Das ist am Ende alles so dermaßen oberflächlich und bedeutungslos, dass man es ohne solche Menschen, wie den Dalai Lama, kaum ertrüge. Er steht für etwas anderes. Er ist ein Symbol. Und er lacht uns unsere Bedeutungs- und Belanglosigkeit, in die wir manchmal zu versinken drohen, einfach weg. Es ist das Lachen eines Buddha. Was wissen wir schon davon?
Nachdem er mit dem Auto entschwand begann ein fruchtbarer Wolkenbruch. Solange er sprach war der Himmel voller Wolkenspiel und Licht.
Himmel und Erde sind gleichgültig
alle Dinge sind ohne Bedeutung
Die Weisen sind gleichgültig
alle Menschen sind ohne Bedeutung
Der Raum zwischen Himmel und Erde
ist wie ein Blasebalg
seine Leere ist seine Fülle
Viele Worte sind schnell erschöpft
besser ist, das Innere zu bewahren.
Aus dem Tao Te King
"Fragen an S. H." - SEINE HEILIGKEIT - stand auf den Behältnissen mit denen die Helfer in der Hamburger Tennis-Arena am Rothenbaum durchs Publikum streiften. Es ist ein besonderes Erlebnis den Dalai Lama zu sehen, seinem Vortrag zu lauschen und das ganze Drumherum zu beobachten. Kurzerhand entschloßen wir uns danach, dem tibetischen Gottkönig mal etwas näher zu kommen.
Ein ausführlicher Bericht von dieser Veranstaltung "Mitgefühl in einer globalisierten Welt" am 22.07.2007 in Hamburg - und z. B. welche Fragen den Dalai Lama tatsächlich erreichten - folgt bei Gelegenheit.
P.S.: Ich habe noch so viel Material, nicht nur vom Dalai Lama. Da komme ich selbst kaum hinterher. Sommerloch ist sowieso und ich starte nun das Programm "Mal raus kommen". Nächste Woche gehts dann hier weiter.
Ich möchte Seiner Heiligkeit, dem 14. Dalai Lama, weltliches und vor allem geistiges Oberhaupt des tibetischen Volkes und "charismatischer Bot- schafter des Friedens", einen Beitrag widmen. Er gastiert eine ganze Woche lang bei uns in Hamburg, wie er es auf Einladung des Tibetischen Zentrums in unregelmäßigen Abständen zu tun pflegt. Ich habe für mich und meine Frau Mama Tickets für das Thema "Mitgefühl in der globalisierten Welt"!
Ich denke, es ist unstrittig, dass der Dalai Lama eine sehr interessante Persönlichkeit ist. Für uns im behaglichen Westen ist er nicht nur sichtbar als das Oberhaupt des Tibetischen Buddhismus. Er ist eine politische Figur, ein Zeitzeuge. Und durch seine vielfältigen - gerade im Westen - öffentlichen Aktivitäten eine moralische Autorität. Und das ist gut so.
Dabei darf nie vergessen werden, warum er derart aktiv ist. Er ist es nicht für den Buddhismus und auch nicht für uns verlorene Schäfchen, die nach einem Lichtstrahl dürsten. Er ist es in erster Linie für die tibetische Sache. Damit die Weltbevölkerung nicht vergisst, dass das geschundene Tibet ein vom rücksichtslosen chinesischen Regime besetzes und vergewaltigtes Land ist.
In den Augen der chinesischen Machthaber ist der Dalai Lama ein Tunichgut, ein schuldbeladener Unruhestifter, ein hinterhältiger Feind, den es zu bekämpfen gilt. Beispielsweise Zhang Qingli, kommunistischen Partei-Chef in Tibet, gab in einem SPIEGEL-Interview Auskunft, wieviel Verachtung er für den Dalai Lama empfindet. Das ist für uns, die wir eher den spirituellen Aspekt seiner Person wahrnehmen (wollen), nicht vorstellbar, was hinter den (diplomatischen) Kulissen alles abgeht.
Es ist himmelschreiendes, brutales Unrecht, was die Chinesen mit Tibet veranstaltet haben. Der Dalai Lama aber hat von Anfang an und ganz in buddhistischer Tradition zum Gewaltverzicht und gewaltfreien Widerstand aufgerufen und setzt dies konsequent um. Sehr sehenswert die Verfilmung der Geschichte dieses Dalai Lamas und seiner dramatischen Flucht aus dem besetzen Tibet: Kundun ... und natürlich Sieben Jahre in Tibet
Das Hamburger Programm-Kino Abaton bringt zum Besuch des Dalai Lamas eine Tibet-Filmreihe auf die Leinwand.
So reist der Dalai Lama nun um die Weltgeschichte und wirbt für die Sache Tibets. Sammelt spenden und Solidarität und sorgt so dafür, dass das kleine Land auf dem Dach der Welt nicht in Vergessenheit gerät. Er scheint dabei stets gut gelaunt und macht mit seinem gewinnenden Lachen eine sehr gute Figur. Er ist sehr sympathisch, glaubwürdig und intelligent. Man hört ihm gerne zu. Was nicht nur an dem Inhalt seiner, wie es für einen praktizierenden Buddhisten üblich ist, mit Bedacht gewählten Worte liegt, sondern vor allem an seiner faszinierenden Ausstrahlung.
Ja, ich versteige mich dazu, zu behaupten, dass er einer der letzten lebenden Zeugen dafür ist, dass hinter all den vielen Dingen, Masken und Bewegungen etwas ganz anderes wirkt. Offenbar etwas Unbekanntes. Zumindest ist er einer der sichtbaren Zeugen einer fröhlichen spirituellen Wirklichkeit.
Ein Buch von ihm habe ich mal versucht zu lesen. Aber es gefiel mir nicht, nein, live ist er besser. Doch es gibt ein paar Sätze von ihm, die mich tief beeindruckt haben und die ich gerne zitiere. Beispielsweise dies: Auf die Frage hin, woran es denn läge, dass er ein stets ausgeglichenes und ruhiges Gemüt hätte, antwortete er sinngemäß: "Das ist wohl genetisch. Ich schlafe immer sehr gut und das haben wir von unserer Mutter geerbt ..."
Ich fand das genial, weil es sich gar nicht auf Meditation oder Lebenstil bezog, wie wir alle erwarteten, sondern auf Genetik. Er weiß sehr genau, wie man mit westlichen Journalisten spricht. Er weiß unsere Medien für seine Anliegen zu nutzen. Und das ist gut so. Seinen Landsleuten hätte er diese Frage sicher anders beantwortet.
Die Bilder stammen von der Website dalailama-archives.org und sind vom Fotografen Manuel Bauer / Agentur Focus! Ohne freundliche Genehmigung, aber ich denke, das geht in Ordnung.
Das passt zu Ostern, wie der Hase auf den Teller: Das frisch ins Deutsche übersetzte Buch von Tiziano Terzani - Das Ende ist mein Anfang. Dieses Buch ist ein Gespräch mit seinem Sohn. Nachtigall, ick hör' dir trapsen!
Der italienische Journalist Tiziano Terzani (1938 - 2004) war als Auslands-Korrespondent auch für den SPIEGEL tätig. Dieser hat heute das Fortleben nach dem Tode zum Titelthema. Und druckt einen Auszug aus dem Vater-Sohn-Dialog, der allein schon den Kauf des Heftest - und des Buches - rechtfertigt.
Ein sehr lebendiger, totkranker, alter Mann spricht mit seinem Sohn über den Tod. Und warum er keine Angst vor ihm hat. Es redet vom Loslassen und davon, wie frei und glücklich er sich fühlt. Es ist offenbar ein lesenswertes, authentisches, sehr tiefsinniges, menschliches und philosophisches Gespräch.
Ich gerate noch ins Schwärmen, deshalb ein Zitat:
"Die wahre Entscheidung ist die, du selbst zu sein. Wenn du dich an den Gedanken gewöhnst oder bestimmte Übungen in der Richtung machts, wenn du darüber nachdenkst - nachdenkst! - dann wirst du erkennen, dass jedes Verlangen eine Form von Sklaverei ist. Denn je heftiger du verlangst, desto mehr begrenzt du dich."
Mit einem irrwitzigen Glauben aber kann man nicht man selber sein. Mit einem Verlangen nach Erlösung, Erleuchtung oder einem Paradies kann man nicht frei sein und über diesen ganzen Unfug lachen.
Aber wen interessiert das schon? Wen interessiert Freiheit? Diejenigen, so denke ich, die unzufrieden sind mit den Systemen, mit der allgemein akzeptierten oberflächlichen Art zu leben, mit den feilgebotenen Sicherheiten. Die sehr unzufrieden sind mit den von anderen (Autoritäten) fertiggebackenen Antworten. Diejenigen, die auf der Suche nach sich selber sind. Danach, wer sie wirklich sind.
Tiziano Terzani hat einen langen Umweg gebraucht, um loslassen zu können. Der jahrelange Kampf gegen seine Krebserkrankung bescherte ihm offensichtlich spannende Erkenntnisse. Und ein gelöstes Lebensende.
Ich steh auf solche Titel. Beherzt klingen sie und ehrlich. Kauderwelsch und Weichspülereien scheinen hier ausgeschlossen - eben: hirnwichsereifrei.
Ich habe, da ich eh grad dabei war, Geld zu verpulvern, die 6,- Euro zu den 12,80 investiert, um die Sache rund zu machen. Es scheint sich gelohnt zu haben. Denn Herr Giacobbe bezieht sich in seiner kurzweiligen Schrift hier und dort auf die Sache mit dem Zen. ZEN scheint tatsächlich das einzige kontemplative Verfahren, das jegliche Hirnwichserei ausschließt. Obwohl es genügend Leute gibt, die auch anders können. Schönen Gruß an die deutschen Buddhisten.
Der Autor versichert in seinem Vorwort glaubwürdig, dass er zunächst keinen Verlag für sein Buch mit dem herzerfrischenden Titel fand. Hirnwichserei verkauft sich halt besser. Klar. Nun fand sich aber RANDOM HOUSE mit seiner ARKANA-Reihe bereit, die Schrift herauszubringen. Vermutlich wegen des Zen.
Jene ARKANA-Reihe ist ein Glücksfall für jeden Esoteriker. Seine neurotischen Hirngespinste - von denen auch ich nicht frei bin, das möchte ich hier betonen - finden dort Heimstatt und Pflege. Seine Angst, sich so zu sehen, wie man ist, läßt sich hervorragend mit einem Body-Mind-Spirit-Programm bemänteln. Also schöpft man aus dem Vollen: Man liest über KRAFTTIERE, braucht NEUE GEDANKEN - NEUES GEHIRN und liest über DIE VERBORGENE BOTSCHAFT DER VORNAMEN.
Ja. Gut. Hirnwichserei braucht aber keine Esoterik. Auch Seminare, Workshops und Fortbildungen, Studiengänge und Coachings wirken gern in diese Richtung. Ich fürchte, das ganze SYSTEM funktioniert danach. Diejenigen, die sich durch ihr Gewäsch am vorteilhaftesten darstellen, beziehen die fettesten Pfründe.
Der Autor unterscheidet zwischen positiver und negativer Hirnwichserei: "Ein Gedanke, der eine Handlung nach sich zieht, ist keine Hirnwichserei" und "Ein Gedanke, der keine Handlung nach sich zieht, ist Hirnwichserei".
Er beantwortet in seinem Buch drängende Fragen, wie: "Was soll ein armer Neurotiker möglichst obssesiver Prägung tun, um sein Hirnwichsproblem in den Griff zu bekommen?"
Dazu beschreibt er äußerst lebendig einige Funktionsweisen unseres Gehirns. Kurz: Die Lektüre ist vorbehaltlos zu empfehlen.
So kommt man zu der Frage, ob BLOGGING nicht in vielen Fällen eine eigenständige Form von Hirnwichserei ist.
Meditation war bisher eine Kunstform, Entspannung ein Krampf. Fernöstlichkeit führt zwar zur einer gewissen Exklusivität, doch fremdartige Philosophie, mysteriöse Formeln und Schwierigkeiten mit der Rückenmuskulatur waren der Preis. Damit ist nun Schluss. Überhaupt ist mit all dem heiligen Getue Schluss. Und die medizinisch indizierten Entspannungsmethoden müssen auch nicht sein, da viel zu oberflächlich. Wir haben jetzt etwas anderes: Die Acem-Meditation aus Norwegen. Aus Norwegen? Meditation? Wer hätte das gedacht!
Bisher musste man den ganzen religiösen und philosophischen Ballast mit einkaufen, wenn man glaubte, Meditation können einem etwas bringen. Es ist schon ein Phänomen, warum der westliche Geist in die Ferne schweift, um Konzepte zu erlernen, die recht schwierig und sehr fremdartig für ihn sind. Ja, und warum giert man so nach derartigem geistigen Ballast?
Wenn man mit Meditation nichts zu tun haben will, weil einem das dann doch zu mystisch ist, man sich aber auch ohne Drogenmissbrauch oder Sex entspannen will, vielleicht wegen des hohen Blutdrucks, oder dem Stress mit Chef und Kollegen, dann wurde einem "progressive Muskelentspannung nach Jacobson", oder "Autogenes Training" empfohlen. Beides hilfreich, obwohl Autogenes Training Zeit braucht, bis man es beherrscht und bis es wirkt, aber beides auch sehr oberflächlich.
Also doch Buddhismus?
Nun haben die Leute aus dem hohen Norden Europas - man höre und staune - in aller Seelenruhe eine ganz eigene - eine eigene! Man hört und staunt! - Meditationsform entwickelt. Seit Ende der Sechziger Jahre wird dort die ACEM-Meditation praktiziert und ist in Norwegen ziemlich verbreitet. Während in Deutschland das moderne, progressive Volk zu den Buddhisten rennt, ist bei den Nordmannen Meditation schön länger fast wie selbstverständlich.
Ich habe mir das kürzlich einmal angeschaut und möchte das hier teilen.
Die ACEM-Meditation setzt konsequent auf das Wesentliche. Sie wurde von Ärzten und Psychologen entwickelt und wissenschaftlich untersucht, und ist so ziemlich das vernünftigste und bodenständigste, das ich bisher zu diesem Thema gehört habe. Sie scheint der westlichen Seele sehr zu entsprechen und ich finde das ziemlich gut.
Man hat den KERN von Mediation genommen und sich das mal genauer angeschaut. Daraus ergab sich eine ganz bestimmte Technik, die leicht zu erlernen ist, ohne jegliche (religiöse) Philosophie auskommt und sehr wenig Regeln kennt. Das verkrampft aufrechte Rückrat fällt ebenso aus, wie der Kniegelenk aufreibende Lotossitz; Erleuchtung fällt leider auch aus, Gedankenleere kommt nicht vor; Ängste werden nicht weg meditiert und in ein Licht geht man auch nicht ein; kein jenseitiges Superwesen wird angerufen, keine komplexen Rituale eingeübt; ja, selbst rührender tibetischer Singsang braucht nicht auswendig gelernt zu werden!
Wie herrlich anders und erfrischend das ist - und dabei alles andere als oberflächlich und banal, sondern im Gegenteil: Tief und NATÜRLICH!
Von jener Technik mag ich an dieser Stelle nichts erzählen, da ich mich damit noch nicht so gut auskenne. Aber das, was ich weiß, reicht mir, um zu befinden, dass die ACEM-Meditation eine sehr wirkungsvolle, sehr sinnvolle und wesentliche Methode ist, um für Entspannung und gleichzeitig für Persönlichkeitsentwicklung zu sorgen.
Die Stichworte sind:
- regenerative Entspannung
- bessere Stressbewältigung
- höhere Konzentrationsfähigkeit
- verbesserte Eindrucksverarbeitung
- deshalb Bearbeitung ungelöster (und unbewußter) Konflikte
- dadurch mehr (innere) Entfaltungs- und Entscheidungsspielraum
- und das bedeutet mehr Gelassenheit und damit mehr Lebensqualität
Ungefähr 1000 Menschen in Deutschland praktizieren diese wundervolle Art, etwas Gutes für sich zu tun. Es werden definitiv mehr werden. Momentan ist die ACEM-Organisation hauptsächlich im Norden der Republik, aber nicht nur dort, aktiv. Zumeist an Volkshochschulen (VHS) werden Einführungskurse günstig angeboten.
Überhaupt, es ist eine Non-Profit-Organisation, die Lehrer arbeiten ehrenamtlich. Für mich ist das auch sehr wichtig, denn so bin ich gewiss: Sie wollen weder meine Seele retten, noch meinen Geist mit zusätzlichen Ballast füllen, damit sie sich nicht so alleine vorkommen; sie wollen nicht mein Geld, um damit schöne neue Tempel zu bauen, oder um Liegematten zu kaufen, oder endlich eine Sekretärin einzustellen.
Offenbar wollen sie einfach etwas teilen und weitergeben, von dem sie seit Jahren tief überzeugt sind, dass es die Lebensqualität erhöhen kann. Ja, das gibt es noch - heutzutage. Auch eine Art Globalisierung.
Und an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an den wundervollen Ole Nygaard!
Eine moderne, westliche Variante des Zen. Eine Meditation:
Du darfst dasitzen und ausruhen.
Auf der teuer Tribüne, auf dem Schleudersitz des Trainers, auf dem satten Grün, wenn dein Knöchel weh tut, im Sofa vor dem Flimmerkasten, während jemand, mit dem du offenbar einen Lebensabschnitt teilst, Kohlrabi brät. Atme.
Das Runde soll ins Eckige. Absichtlos absichtsvoll. Mit dem Hinterkopf, übers Knie, aus der Hacke. Du schaffst es und du schaffst es nicht.
Wenn einer gewinnt, verliert ein anderer. So funktioniert es. Das ist in Ordnung. Ein Pokal ist ein lebloser Gegenstand, Geld und Ruhm vergänglich. Es gibt keinen heiligen Grahl.
Religion ist irrelevant. Wichtig ist der FC.
Sie wollen dich für dumm verkaufen. Alle.
Und sie wollen dich reinlegen und austricksen. Sie wollen dir nur Einen reinsemmeln, um sich endlich in den Armen zu liegen und sich dann auf Mallorca, oder Ibiza geistige Getränke zuzuführen. Sie nennen das Erfolg.
Sie wollen dir etwas verkaufen. Alle. Zeitschriften, T-Shirts, Sitzkissen - um reich und anerkannt zu werden. Eine Philosophie, eine Mitgliedschaft, einen Wimpel - damit sie sich nicht so alleine fühlen.
Die Menschen sind laut und durcheinander. Die einen fühlen sich den anderen überlegen, vielleicht, weil sie scheinbar die erfolgreichere Philosophie haben, mehr Glück besitzen, oder in der Überzahl sind.
Sie veranstalten ein heilloses Tohuwahbohu wenn sie leiden, sie reden unglaublich viel und suchen tausenderlei Erklärungen und jemanden, der schuldig ist. Oft benutzen sie dafür einen Gott. Sie fühlen sich schnell minderwertig und können mit unangenehmen Gefühlen sehr schelcht umgehen. Sie haben Angst. Doch Polizei.
Lass dich nicht beirren, es ist alles ganz einfach.
Habe Mitgefühl mit den 10.000 Wesen.