Ein Fazit über die 3. Staffel von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ wollte ich erst in der nächsten Woche schreiben. Angesichts der Medienresonanz zu DJ Tomekks „Skandalvideo“ und dem Aufkommen von Verschwörungstheorien in der Blogosphäre, dieser „Skandal“ sei von BILD und RTL inszeniert, fühle ich mich noch mehr amüsiert und packe jetzt schon mal die Sachen.
Das Feindbild ist klar, der Stachel sitzt tief: Das Unterhaltungsfernsehen. Genauer gesagt: Das Unterhaltungsfernsehen für die breite Masse. Besser gesagt: Die Trash-Massenunterhaltungsmedien. Und noch genauer gesagt: RTL. Mit Begriffen wie Masse sind natürlich immer die anderen gemeint und dies führt gleichwohl zum nächsten No-Go: Der BILD-Zeitung.
Natürlich: Man kann sie alle in die Tonne kloppen, allen voran Kerner und Beckmann. Aber die sind wenigstens öffentlich-rechtlich. Alle – RTL, BILD, BOHLEN, SCHÄUBLE, BUSCH – also in einen Sack und draufhauen – man trifft immer die richtigen.
Demzufolge liegt natürlich die Vermutung nahe, RTL, in Zusammenarbeit mit BILD, hätte den Vorfall mit Tomekks Skandalvideo nachgerade inszeniert, bzw. den Zeitpunkt der Veröffentlichung und die Aufbauschung des Ganzen zur medialen Maximalverwertung willkürlich bestimmt. Das Tomekk-Video sei Sender und Zeitung lange schon bekannt gewesen.
Allen ernstes: Was, wenn dem tatsächlich so wäre, ist eigentlich das Problem daran? Denkt doch mal nach! Der einzige wahre Skandal wäre es, hätte Tomekk in Zusammenhang mit beiden Großmedien das Video tatsächlich bewusst inszenziert. Darauf aber deutet aktuell nichts hin.
Dass ich als Redaktion selbstverständlich bestimmen kann, wann was veröffentlicht wird, davon scheinen manche Blogger noch nichts gehört zu haben. "Der – moralisch – verwerfliche Vorgang" könnte sich also wie folgt abgespielt haben:
Jemand von den Angehörigen der Dschungelcamp-Kandidaten wittert Geld und will Tomekk schaden. Bei nächster Gelegenheit, wenn der Plan ausgereift ist, nimmt er Kontakt zur BILD-Zeitung auf und bietet das Skandal-Video zum Verkauf an. Nun ist es natürlich lange kein Geheimnis mehr, dass es zwischen der BILD und RTL verschiedene Exklusiv-Verträge gibt. Also setzt die BILD die RTL-Dschungelcamp-Redaktion von dem Video in Kenntnis und beide Redaktionen diskutieren die Sachlage. Selbstverständlich muss man erstmal das Video sehen, um sich ein Bild machen zu können.
Dann entscheidet man, Tomekk aus der Sendung zu nehmen – nicht zuletzt um zu verhindern, dass es einen unkontrollierten Skandal (spätestens nach der Staffel) gibt, der am Ende negativ auf das Dschungelcamp und RTL zurückfällt.
RTL setzt ein Zeichen und damit deutliche Grenzen. Nicht zuletzt, weil man sich im Ausland befindet und von diesem auch beäugt wird. Tomekk hat als Medienstar eine Vorbildfunktion - auch und gerade gegenüber den Teenies und Kiddies - der er sich gefälligst bewußt sein darf.
Außerdem möchte man
die Dramaturgie der Dschungel-Show weitesgehend erhalten und solange es nicht um Mord und Totschlag geht, den Zeitpunkt der Bekanntgabe des „Skandals“ selber bestimmen. Da man Medienprofi ist, wird gleichzeitig die mediale Aufmerksamkeitsintensität und Zuschauerquote kalkuliert und gegebenenfalls die Spannung erhöht.
Was, in drei Gottes Namen, ist daran verwerflich?
DJ Tomekk und alle anderen Teilnehmer des Dschungelcamps wussten, auf was sie sich einlassen. Die eine, nämlich Julia Biedermann, nutzt die Plattform erfolgreich für sich und ihre Nacktfotos im Playboy – auch dies mit einem gewissen Risiko – und TJ Tomekk beschädigt sein Image durch schlechte Scherze. Profitieren aber tun nach wie vor alle davon. DJ Tomekk hatte niemals zuvor eine solche Medienpräsenz und Aufmerksamkeit. Seine CD-Verkäufe werden in die Höhe schnellen, neue Auftritts-Angebote zu Hauf ins Haus schneien, seine blöde MySpace-Seite Besucher-Rekorde verzeichnen (er hat aber schon eine
niegelnagel neue Website)!
Ebenso wie RTL neue Zuschauer-Rekorde – und damit Werbegelder – einfährt und die BILD ihre Auflage erhöht und damit bessere Anzeigenpreise erzielen kann.
Und
Tomekk ist nicht der erste, der über die Klinge springt – und trotzdem profitiert. Es erinnert stark an die
Hetze gegen Eva Herman. Nur dass es dort umgekehrt war, die Bloggergemeinschaft über sie herzog statt über die Medien. Diese Nazi-Entgleisungen berühren hierzulande immer ein Tabu - selbst wenn es sich um Mißverständnisse handelt. Man ist ebenfalls stets darauf bedacht, gegenüber dem Ausland kein allzuschlechtes Bild abzugeben was die Vergangenheitsbewältigung angeht.
Wo also ist nun wirklich das Problem mit dem Tomekk-Video und der Medienresonanz darauf? Und wo lebt ihr Verschwörungtheoretiker eigentlich? Selbst mein Blog hatte dadurch mehr Besucher. Und auch Leute, die diese Trash-Dschungelshow nicht sehen, meldeten sich zu Wort. Man darf diese ganze Sache einfach nicht überstrapazieren.
Übrigens: Hier geht es ums Geldverdienen. Was nicht heißt, dass dazu jedes Mittel recht ist. Die Regeln des Dschungelspiels sind eindeutig und allen jederzeit klar. Und ich bin nach wie vor beeindruckt, wie professionell der ganze Laden läuft. Und wie erfolgreich. Die Rechnungen gehen auf!