Steinmeiers Vollbeschäftigung
Man sitzt im Businessdress über den roten Strumpfhosen im blitzeblanken Konferenzsaal und stormt den Brain. Denn heutzutage weiß man: Politik, Zukunft und Gesellschaft ist alles eine Frage des Marketings, des schönen Scheins, des lautmalerischen Bananenhökers, der Marktschreierei und des Orakelns.Also wird aufgefahren, was im Marketing Rang und Haare hat. So kommt es, dass irgend jemand vorschlägt, etwas zu machen, was in die Zeit passt, in die Zeit der Social Communitys, der Schwarmintelligenz und des Mitmach-Webs. "Wir regen einfach zur Diskussion an!" "Gute Idee, wir wagen einfach eine provokante Behauptung!" "Wir rufen einen Ideen-Wettbewerb, einen Ideenwettstreit aus!"
"Leute, nur nicht zu viel rudern, das wird für uns ja bis zum 27. September 2009 eine Vollbeschäftigung ..."
So kam das.
Das Timing war perfekt. Schreiber kam aus Kanada in Handschellen nach Deutschland und es fiel wieder das Wort von der CDU-Spendenaffaire, die damals die Merkel nach oben spülte. Am nächsten Tag stellt man sich hin und spielt einen Politiker, der Visionen hat, einen Politiker einer Partei, die modern ist und die Menschen versteht ... Perfektes Timing!
Die klugen Männer in der alten Arbeiterpartei, die keine Arbeiter mehr kennt, weil die Funktionäre nur Büroarbeit kennen, wissen, dass es keine Vollbeschäftigung geben wird ... und nie wirklich gegeben hat.
Sie wissen, dass nicht alle gerne arbeiten und mancher weder arbeiten will, noch kann. Sie kennen sich doch aus unter den Menschen! Sie wissen, dass sehr viele Jobs echte Scheißjobs, miese, beschissene Scheiß-Jobs sind, von denen man teilweise nicht mal leben kann. Jobs, die Mutter und Vater kaputt machen, was sich auf die Kinder auswirkt, die dann wieder in irgendeiner Scheiß-Statistik oder irgendeiner Scheiß-Reality-TV-Sendung auftauchen. Und ich dachte immer, dass er der SPD um die Lebensqualität der arbeitenden Bevölkerng geht und nicht um Arbeit um jeden Preis und gegen die natürlichen Ressourcen ....
Das wissen sie alles und dennoch haben sie die Idee der "Vollbeschäftigung" noch nicht aus ihren Köpfen gestrichen. Weil sie glauben, das Volk brauche Schlagworte, Märchen und "Visionen".
Sie wissen auch, dass sie gar keine Visionen haben, sondern von der Vergangenheit zehren. Sie wissen, dass Frank-Walter kein Visionär ist, sondern ein Beamter.Visionen, das hieße ja ein neues (altes) Menschenbild zu entwickeln, eine Zukunft, die Leben heißt und nicht Arbeit, ein tiefes Verständnis des Menschen, seiner Hoffungen und eine konsequente Umsetzung von nachhaltigen Wertvorstellungen.
Es hieße beispielsweise, persönlichen Reichtum im Sinne des Ganzen einzuschränken und zu regulieren, es hieße, eine Arbeitswelt zu schaffen, in der Solidarität und Menschlichkeit und nicht Verwertung und Nützlichkeit die Richtung weisen. Es hieße, die Qualität des Führungspersonals zu erhöhen, nicht nur kognitive Intelligenzen zu fördern, sondern ganz massiv auch emotionale und soziale ...
Eine Vision um die Qualität von Arbeit, den Wert von Menschen mit und ohne Arbeit, Arbeit wozu und wie, statt immer nur was und wieviel. Was passiert z. B. zukünftig mit der 41,7-Stunden-Woche, die die SPD uns eingebrockt hat? Wie sieht eine kinderfreundliche Gesellschaft in Bezug auf Arbeit aus? DAS wären Visionen!
Aber nein, man biedert sich im schröderschen Sinne der Industrie an. So glaubt man, Wählerstimmen zu bekommen.
Es wird immer viele Menschen ohne Arbeit geben und das ist in Ordnung. Es geht darum, dass auch diese ein Auskommen haben und Perspektiven (die nicht zwangsläufig mit Arbeit, wie wir sie kennen, zu tun haben müssen).
Die Hochleistungs-Industrie ist in dieser Form am Ende. Weil sie nicht nur Wohlstand sichert, sondern weil sie Umwelt, Menschen und Tiere zerstört. Wir sind unserer eigenen und überhaupt der Natur
so weit entfremdet, wie es absurder nicht sein könnte. Merkt man das als moderner (Karriere-)Mensch nicht mehr? Aber gut, für Pessimismus ist es zu spät.
Obwohl sie das also alles wissen, wollen sie uns einfach weiter verarschen, wie Werbung uns eben sehr oft übel verarscht. Sie wollen offenbar, dass Merkel bleibt und es wird ihre Schuld sein. Sie haben die Wahl verloren, ganz sicher verloren, wollen aber etwas anderes glauben.
Am besten kann der SPD-Kanzlerkandidat denn auch Sprechblasen, Floskeln, Sprüche, Plattitüden und Binsenweisheiten. Darin steht er der Merkel in nichts nach, aber es ist dennoch kaum zu ertragen. WIRKLICH schlimm. Ernsthaft: wer hält eine solche Rede ohne Schmerzen aus?










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