Unsympathie. Kakophonie.
Urlaub. Vor mir im Flieger ein Dreier-Pärchen mit frischem Nachwuchs, der beständig kräht und in der Dreierreihe hin und her gewuchtet wird. Das Knäul mag ein halbes Jahr haben. Wer geworfen hat ,ist zunächst unklar. Denn es handelt sich um einen Kerl mit zwei Hennen, wie gesagt, und das frisch Geschlüpfte. Die "Erwachsenen" dürften allesamt Anfang Dreissig haben, könnten aber auch jünger sein und älter aussehen.
Nicht nur, dass das Gequäke des Kleinen, das von Katzenjammer kaum zu unterscheiden ist, den Urlaubsbeginn um einiges verzögert. Er, der am Fenster sitzt, vor mir, und einen guten Teil der Flugstrecke das Knäul vorbildlich im Arme wiegt, stellt seine Sitzlehne volle Kanne nach hinten, was mich weiter beengt. Als sei der Platz im Flieger nicht spärlich genug. Mir verleidet das sofort die Flugbereitschaft und ich beschließe, den Kerl und seine Hühner scheiße zu finden. Durch die Bedrängung weiß ich nicht, wie den Lesestoff zu halten. Und so lehne ich es zuweilen an den Vordersitz, was seine eher unwirtliche Frisur verraschelt und man sich gestört fühlt. Dreht sich der Typ zu mir und siezt mich fragend an, ob es mir möglich wäre, den Wisch anders zu halten. Natürlich. Entschuldiung. Der Vogel siezt mich! Was ist da los?
Nun muss ich zugeben, dass ich das Siezen nicht erfunden habe und, obwohl ich es hin und wieder aus Respekt, vor allem gegenüber reiferen Herrschaften, einsetze, mich nicht in der Lage fühle, jüngere, dreiste Individuen zu siezen. Bei nächster Gegelegenheit dutze ich zurück. Ich dutze seine Lehne in die Ausgangposition, höflich, aber knapp, damit ich den Flugzeugfraß auch vor mir balancieren kann. Mein duzen verdutzt ihn.
Das Du transportiert natürlich auch, dass ich nicht gewillt bin, mich in dieser Situation mit meiner seltsamen und unsympathischen Vordergruppe in überflüssigen Floskeln zu verlieren und den Fight annehme.
Tja. Mehr Konversation war gottseidank nicht nötig. Blöderweise musste ich das eine oder andere Gespräch der Komune Null vor mir mitverfolgen. Daraus errechnete ich ein Alter der drei, das ihrem Aufzuchtsgehabe deutlich hinterher hinkt. Ich mochte aber die STIMME der Kindsmutter und versuchte mich dagegen zu wehren. Ich wollte alle drei unsympathisch finden, da passt eine wohlklingende Stimme nicht ins Bild.
Jedenfalls konnte ich jetzt innerlich nachweisen, wer die Mutter und wer die Begleitung war. Nämlich die zweite Frau, die leider eine Beckengegend besaß, die ich ebenfalls mochte. Der Rest wollte jedoch nicht dazu passen. Alles in allem also recht widersprüchlich das Ganze.
Ein Gör kann ja nicht zwei leibliche Mütter haben. Doch ich hatte ja noch einen übrig. Wozu gehört der Kerl? Zur Mutter? Hm. Vermutlich nicht. Denn vom Äußeren, wiewohl von der Sitzanordnung, schien er zu der Unfruchtbaren zu gehören. Ein befreundetes Paar begleitet eine gestresste, vielleicht sogar verlassene, junge Frau Mama in den Urlaub, um die Last der Hege mit ihr zu teilen. Welch ein Engagement, was für eine selbstlose Freundschaft. Man fand sich im selben Hotel wieder. Doch was meine Antipathie aufrecht erhielt, war die Grußlosigkeit ... und die Käsigkeit der Truppe. Ich habe sie jedenfalls weder lächeln, noch vergnügt, noch sonst irgendwie offenherzig und interessiert erlebt. Eine kleine abgekapselte Gruppe, die um einen Balg kreist, der ihnen offenbar Selbstverständnis und Einzigartigkeit verleiht.
Und DAS finde ich grundsätzlich unsympathisch, extrem unsymphatisch: Humorlose, siezende Individuen, die ein klitzekleines Herz haben und ein Plappermaul, das kaum eine Gegend anlächelt. Schwach.
Übrigens: Sympthatie und deren Gegenteil hat offenbar eine starke körperliche Komponente. Wirkt sich die eine oder andere Begegnung doch auf das Wohlbefinden aus und damit auf den Parasympathikus. Ja, die alten Mediziner wussten noch, wo es lang geht!












