re-publica 08 - wie es war, was es sollte
Ich meine, wer sich fürs Bloggen, für die Entwicklung des Internets und das Publizieren im Netz interessiert, ist bei dieser Konferenz bestens aufgehoben. Allerdings ist ja nur ein Bruchteil von den Leuten anwesend, die diese Thematiken berühren. Aber die, die da sind, profitieren auf vielen verschiedenen Ebenen von diesem Happening."Und, was sagt Du, wie fandest du es?" wurde ich verschiedendlich gefragt und es entstanden ein paar spannende Gespräche, die dabei halfen, diese Sache und sich zu verorten.
Es fehlte deutlich die Euphorie vom letzten Jahr. Ich konnte zunächst nicht entscheiden, ob es an mir lag oder an der Veranstaltung. Aber es wurde mir bestätigt. Ein sehr sympathischer Holländer, der mich am letzten Tag spontan ansprach (und mir von einer tollen Idee erzählte, auf die ich noch mal zurück komme) und mich nach meinem Eindruck fragte, meinte, es fehlt ein bisschen das "Hey, wir sind hier!" Und ich wusste, was er meinte. DAS war es!
Im letzten Jahr, bei der ersten re-publica war Euphorie das vorherrschende Gefühl - zusammen mit der Haltung: "Hier sind wir! Wir sind hier!" Die deutschsprachige "Digitale Bohème" traf sich, die deutschen Blogger, Net-Junkies, Publizisten und Aktivisten, der ganze Haufen sehr engagierter Leute, traf sich erstmalig im April 2007 in der Berliner Kalkscheune. Ein Ereignis, das alle überraschte und auch überwältigte. Wir haben eine Stimme. Wir machen was (zusammen). Wir sind hier.Diese Gefühle fehlten bei dieser zweiten re-publica. Mir zumindest. Was aber nicht heißt, dass die zweite Blogger-Konferenz schlechter gewesen wäre oder weniger gehaltvoll und honorabel.
Mir hat es sehr gefallen. Vor allem die Gespräche und Begegnungen mit den vielen verschiedenen Menschen, die im Netz aktiv sind. Es ist schon irgendwie eine Art Gemeinschaft. Und ich glaube auch, dass diese durch die noch folgenden Konferenzen weiter zusammenwachsen wird. Ich jedenfalls fühle mich zugehörig.
Natürlich, viele sind Weltverbesserer, Utopisten, Kreative, auf ihrem Gebiet engagierte Menschen halt. Zu ihnen zähle ich mich auch. Doch in diesen Tagen in Berlin wurde auch deutlich, dass viele "Profis" unterwegs waren. Entweder Menschen, die mit ihrem Unternehmen einen Blog führen, der weder mit Blogging im weitesten Sinne, noch mit spannenden Experimenten im Internet und schon gleich gar nichts mit einer Vision für die Netzgemeinde zu tun hat. Man hängt sich an die kritische Masse, an den Trend und denkt, das ist es, das bringt uns nach vorn.
Diese Leute sind mir nicht nur suspekt und unangenehm. Sie gehören einfach auf eine andere Veranstaltung. Die Kommerzialisierung hat deutlich fussgefaßt bei der re-publica und den Netzmachern. Eine unangenehme Entwicklung. Startups, Geschäftsführer und PR-Leute versuchen uns für ihr Angebot zu gewinnen. Uns, die etwas anderen Typen im Netz. Wir sind eine attraktive Zielgruppe und das hat sich mittlerweile rumgesprochen. Das es natürlich Sponsoren geben muss, die ihre Teams schicken, ist klar, damit habe ich kein Problem. Ich meine jene Businessmänner und - Frauen, die sich unters Volk mischen. Irgendwie unentspannte Leute, die ich für kontaktgestört halte, weil sie sich hinter einer professionellen Maske verstecken.
Auch viele Studenten und angehende Journalisten nutzen diese Veranstaltung um nur ja nichts zu verpassen und endlich mal Durchblick zugewinnen. Ich fürchte, sie werden scheitern ...
Hier und dort finde ich die Anwesenheit dieser latent verkrampften Geschäftspartner ja ganz zu- und einträglich. Aber im Grunde kann ich auf sie verzichten. Genauso wie auf die vielen SOCIAL COMMUNITY-Webseiten und erinnere in diesem Zusammenhang an Second Live (der Hype ist alle)!
Die re-publica ist eine sehr wertvolle, äußerst sinnvolle Veranstaltung und auch nicht mehr wegzudenken. Zumindest für mich. Ich hoffe stark, dass es sie noch lange gegen wird. Und wir einander befruchten, kennen- und schätzen lernen.
Ich lerne immer wieder neue Dinge auf diesen Treffen, neue und spannende, zukunftsweisende aber auch komplett sinnentleerte Dinge und Geschichten kennen. Neue Aspekte des Internets, neue Möglichkeiten des Publizierens ... und vor allem richtige tolle Leute!
Schöne Grüße an alle, die ich getroffen habe, vor allem an Kai Wilken, dem engagierten Hamburger, Hans Dorsch von Macprofessionell (klasse Buch!) und seine Freundin, an den Hauptstadtblog, die sehbehinderten und blinden Speaker vom Cape Berlin, Thilo von Twibble, Daniel von underTube (was ist denn nun mit der Websoap?) und meine beiden Mitstreiter, mit denen ich jetzt endlich DAS Hamburg-Blog starten will. Auch diese Blogger Beispiele dafür, dass sich Professionalität und aufrechtes Engagement nicht ausschließen. Alles wird, alles war - alles ist gut!
Übrigens: Natürlich auch Grüße an diejenigen, die ich vergessen habe zu erwähnen, da ich ihren Blog grad nicht zur Hand habe. Und Dank natürlich Johnny - klasse Beiträge mal wieder! - und Kumpane!









