Flaniermeile
Früher gab es Flaniermeilen. Eine Flaniermeile war wie eine Flirtbörse im Internet, klingt aber viel schöner - und war es auch. Denn auf der Flaniermeile ging man spazieren, wenn man einen Lebenspartner suchte. Auf dem einen Stieg giggelten die heiratswilligen Jungfern, auf dem anderen die stolzen Junggesellen-Gockel.
Man kann sich das gar nicht mehr vorstellen heute. Der Begriff hat im Laufe der Zeit eine andere als die umgangsprachliche Bedeutung erhalten. Meint man doch, eine Flaniermeile diente dem sonntäglichen Familienspaziergang nicht zuletzt um seine gesellschaftliche Stellung zu dokumentieren.
Aber seinerzeit hat es sie gegeben diese Eheanbahnungs- und Flirtgassen. Jeder wusste, weshalb dort flanierte wurde. Ich finde das wirklich rührend und meine tatsächlich, das so etwas heutzutage irgendwie fehlt. Stattdessen geht man blöde in die Disse oder auf sonstwelche Dichtballer-Events.
Ich habe dem Verein Deutsche Sprache e.V. gerade das Wort "Flaniermeile" für eine Wortpatenschaft vorgeschlagen. Wenn es angenommen wird, übernehme ich die Patenschaft.
Übrigens: Mein Wissen darüber entstammt dem LEXIKON DER DEUTSCHEN UMGANGSSPRACHE von Heinz Küpper aus den 60er Jahren. Fünf Bände davon stehen als Erbstücke in meinem Regal. Dieses wunderbare Werk wird offenbar nicht mehr herausgebracht.
Blumfeld
Aber für mich gab es im TATORT zwei Knackpunkte: Dass die Komissarin wusste, dass das Mädchen sich vor einer Auto werfen wollte; und dass man den Porschefahrer zu Himbeergeist verhüttet hat!
Flaniere und spaziere!
Das Wort selbst ...
Nur kommt es eben nicht mehr in dem traditionellen 60er-Jahre-Lexikon-Sinn zur Anwendung, sondern maximal als Euphemismus für hektische Einkaufs- und Abzockstraßen.
Traurig und schade um das Wort, sollte man es doch eher noch unter Artenschutz stellen und bei missbräuchlicher Verwendung durch Konsumjunkies diese mit saftigen Verwaltungsstrafen belegen, sintemal ja diese schönen alten Wörter naturgemäß keine starke Lobby haben, sondern nur uns romantische Sprachbewahrer, -verwurschtler und -verklärer ...
Haste schön gesagt
Wir romantische Sprachbewahrer!
Es gibt so schöne Wörter, die heute nur noch selten gebraucht werden.
Up: Nachdem ich jetzt durch deinen Beitrag auch wieder bei den Wort-Patenschaften war, wo ich schon mal schöner scheiterte, als es ums Bezahlen ging, hab ich grade eben endlich mein Patenkind unter den Rock gebracht. Mein Lieblingswort oben ist ja leider durch Basti Sick schon belegt, aber das macht nix. Ich bin jetzt "Goti" von -entirren- ;)
Entirren?
Ich hätte nicht schlecht Lust, daraus etwas zu basteln ...
Auf das Gebastel bin ich sehr gespannt *hi hi.
Habs doch schon gesehen
Das weiß doch jedes Kind
Meine Kurzen können das auch schon ganz gut: O-Ton Girlie am PC beim Spielen mit Digifotos: "Kannst du das Bild wieder ein Stück entkleinern? Ich kann ja kaum was erkennen."
(Das hat sie aber nicht von mir, ich schwörs)
entkleinern
entkleinern und ergrößeren
abschleiern und verflößern
entflixen und unwässern
zermöglichen anbessern
verworten und entraten
erfeieren und ausbraten
Da stimme
und Aber zu: Flaniermeile, das klingt zu
gut, um vergessen zu werden.
Herzlich
Ihr Erdge Schoss










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