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Du also auch, mein Sohn!
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12
Mai
2007

kultur_2.0

Der allerschönste Liebesfilm

Gestern durch die Nacht gezappt. Ein Western. Ich liebe Western. Alte Western. Huch! Charles Bronson. Er wird gleich alle killen. Aber nichts da. Es entwickelt sich mit der zauberhaften Jill Ireland eine wirklich ergreifende Romanze. Ob es daran lag, dass Charles und Jill tatsächlich verheiratet waren? Zwischen zwölf und drei heißt im Original "From Noon Till Three", stammt aus dem Jahre 1976 und ist der allerschönste Liebesfilm ever!

Zwischen zwölf und dreiDer Plot geht so: Graham Dorsey (Charles Bronsen) ist ein schmutziger Bandit und mag beim nächsten Bankraub seiner miesen Bande nicht mit. Stattdessen treibt er sein Unwesen in dem Herrenhaus der vereinsamten Witwe Amanda (Jill Ireland). Die ist zugeknöpft bis oben hin und lebt in erstarrter Trauer zu ihrem hingeschiedenen, wohlhabenden, väterlichen Ehemann. Doch Graham wäre nicht Charles, wenn er diese Situation nicht gewitzt ausnutzen und sich zunächst grob, dann mit taktischer Raffinesse den steilen Zahn unter den Nagel reißen würde.

Nein, Jill Ireland ist wirklich zauberhaft. Die zwei Turteltäubchen aus dem wilden Westen verlieben sich rettungslos ineinander und genießen die wenigen Stunden, die sie haben, bis Grahams Bande vom Überfall zurück ist. Sie plantschen und glicksen im romatischen Weiher, dinieren im schicklichen Zwirn und tanzen die reinste Verzückung durch den bisher geschonten großen Saal.

Ein Jüngling kommt angaloppiert und überbringt die Nachricht, dass der Bankraub gescheitert sei und die Banditen am Nachmittag gehängt werden. Während das Liebespaar eben noch Zukunftspläne schmiedete, scheint nun guter Rat teuer. Die Braut drängt Graham, seine Kumpane retten zu reiten, da er sich sonst ewig Vorwürfe machen und dieser Umstand ihre große Liebe gefährden könnte. Er hat aber ganz andere Sorgen. Hilft nichts - sie scheucht ihn aufs Gaul und er muss los.

Er wollte sich eigentlich auf eine Wiese hauen und Amanda später erzählen, dass sein Befreiungsversuch gescheitert sei. Stattdessen hat er plötzlich den Mob an den Hacken, die ihn als fehlenden Räuber ausmachen und wildschießend verfolgen.

Zufällig stößt er auf einen Quacksalber, den er zum Klamottentausch zwingt. Dieser wird vom Mob hinterrücks erschossen, während Graham an Stelle dessen als Betrüger von einer Oma festgesetzt und später zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wird. Seine Geliebte erfährt davon nichts.

Als Amanda den leblosen Körper des Quacksalbers über dem Sattel baumelnd sieht, fällt sie in Ohnmacht, da sie ihn, wie alle anderen auch, verwechselt. Zufälligerweise befindet sich ein Schriftsteller in der Stadt, der die Idee hat, Amandas Romanze in einem Buch zu verwursten. Als Ghostwriter.

Gesagt, getan. Der Schinken wird ein Bestseller und selbst am Broadway gespielt. Es entstehen romantische Cowboy-Songs und eine Tourismusindustrie, die die Pilgerströme zur Stätte der ergreifenden Romanze bedient.

Wie lustig. Echt. Das Stück ist übrigends von Frank D. Gilroy, der hier auch Regie führte. Eine wirklich geniale Idee für einen Western und klasse besetzt.

Jedenfalls kommt Graham nach einem Jahr wieder frei und überrascht Amanda mit seinem plötzlichen, grinsenden Erscheinen. Die aber erkennt ihn nicht und glaubt ihm kein Wort. Er muss ihr erst seinen Willi zeigen - dann begreift sie. Aber sie denkt nicht im Traum daran, einfach mit dem Lieben weiterzumachen. Sie denkt vielmehr an ihre Leser und das ganze Land, das mit ihr fühlt und ihre Liebesgeschichte in jeder Einzelheit kennt. Und jetzt soll das alles eine Lüge sein? Nein, nicht mit ihr. Sie zückt die Pistole und will ihn zum Teufel schicken.

Überraschenderweise aber erschiesst sie sich selbst. Jetzt wird sie endgültig verklärt und das ganze Land trauert über Romeo ... und vor allem über Julia, die sich, weil sie ihre einzig wahre Lebensliebe verloren hat, aus Schmerz das Leben nehmen musste.

Nun reist Graham durchs Land, doch keiner glaubt ihm, dass er der Graham Dorsey aus dem berühmten Buch ist. "Graham war 1,90 und der schönste Mann, den Amanda je gesehen hat". Der wahre Graham ist aber 1,80 und sieht aus wie Charles Bronson.

Als Graham aufgrund seiner scheinbaren Identitätsstörung in die Psychiatrie eingewiesen wird, begrüßt ihn der Chef-Erkrankte, nach dem Dorsey sich vorgestellt hat, mit: "Ich weiß. Wir haben dich schon erwartet."

Was habe ich gelacht. Da ist wirklich alles drin, was man braucht: Liebe, Romantik, Drama, Marketing und Psychiatrie.

Und die Moral von der Geschicht: Die Leute wollen den Geigenhimmel! Ich weiß genau, warum ich Western so liebe.

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Eugene Faust - 12. Mai, 14:38

Mist, da habe ich wohl etwas verpasst!

Den Anfang (bis zur "Kuh" im Stall) habe ich noch mitgekriegt. Aber dann rief Morpheus. Naja, war aber auch wirklich spät.
404 - 12. Mai, 14:59

Es war sogar sehr, sehr spät.

Ich wollte immer ausmachen, aber es gelang mir nicht. Verpasst haste also schon was. Aber solch ein Schinken läuft ja ab und an mal wieder irgendwo!
Eugene Faust - 12. Mai, 15:02

stimmt!

Meist zu später Stunde ;-)
404 - 12. Mai, 15:16

Späte Stunde

Wenn man nichts weiter zu tun hat dann: Bestens!

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