Kunst und Können auf der re-publica
Toni Mahoni
Toni gab mit seiner kleinen Band den Opener für das Konzert am 2. Tag der Konferenz. Bisher kannte ich ihn nur aus seinem Podcast bei iTunes. Ich finde ihn großartig.
Nach dem ich in meinem Leben die eine oder andere Chance verpasst hab, meinen Lieblingen für ihr Talent persönlich die Hand zu schütteln - etwa Thomas D. für sein Album SOLO auf der Geburtstagsfeier von Nina Hagen anno 1998 im Hamburger Gaswerk (ja, mit IHR war ich auf der Bühne); oder Franz Beckenbauer bei unsere WM 2006 - griff ich in der Kalkscheune zu!Toni stellte sich bereitwillig für einen Schnapsschuss auf und ich gratulierte ihm zu seiner Kunst und outete mich als Fan. Dabei hatte ich ihn LIVE noch nicht erlebt. Seine Musik war also im Preis für die Konferenz (40,- €) enthalten. Und ich muss sagen: Das ist groß, was Toni da macht. Wirklich unterhaltsam mit vielen kleinen, wunderbar getexteten Songs, kauzig und schön. Ich habe allerdings verschwitzt, mir seine CD dort zu kaufen. Anspieltipps: Zigarette - ein wunderbarer Selbstbetrug und Kaffee.
DW- Panel Blog-Awards
Am Morgen danach, dem dritten Tag (das Konzert mit insgesamt drei Bands ging bis 2-3:00 Uhr), gab es um 10:30 den Workshop: TheBOBs – Best of the Blogs 2007. Der gute Gabriel González Zorrilla, Onlineredakteur der Deutschen Welle, war natürlich enttäuscht, dass zunächst nur 6 Piepel vor ihm saßen. Irgendwie scheint der internationale Deutsche Welle Weblog Award kaum jemanden interessiert zu haben. Völlig unverständlich.
Da Gabriel selbst Spanier ist und der spanischsprachigen Onlineredaktion der "Deutsche Welle WORLD" angehört, bat ich ihn, von der spanischen Blogosphäre zu berichten. Das war sehr interessant, sind doch Weblogs in Spanien viel beliebter und verbreiteter als in Deutschland. Die Rede ist von 1,5 Millionen. Außerdem bestünde ein (traditionell) gutes Verhältnis zu den Latein- und Süd-Amerikanischen Bloggern. Die Spanier bloggen politischer als wir. Politische Meinung in den Weblogs ist hierzulande eher selten. Wir erörterten kurz die Gründe dafür, die sicherlich in unserer Geschichte und Mentalität wurzeln.Spanischen Blogger würden nie auf die Idee kommen, auf Veranstaltungen aus ihren Blogs vorzulesen. Dies scheint eine ur-deutsche Variante des Bloggings zu sein. Da musste ich lachen - wie gut ich die Spanier verstehen kann. Aber dazu später.
Die DEUTSCHE WELLE veranstaltet also jedes Jahr einen internationalen Blog-Award, mit einer hochkarätigen internationalen Jury. Ich finde das super-spannend, werden doch hier konkrete, weltweite Brücken geschlagen etwa zu den Afrikanern, oder den Chinesen usw. Des weiteren wird im Blog des Bobs von ganz unterschiedlichen Autoren (nicht nur der DW-Redaktion) spannendes aus allen Erdteilen gebloggt. Wer sich diesen "Workshop" entgehen ließ, hatte also wirklich etwas verpasst. Aber dafür gibt es ja mich.
Freie Filme
Untertitel: Produzieren und Finanzieren via Internet. Dieser Workshop von der sympathischen Meike Richter fand schon am Ende des ersten Tages auf der re-publica statt. Als hätte ich es geahnt, war dieser Vortrag toll und sehr, sehr interessant. Es wurden verschiedene, neuartige Film-Projekte, die das Internet nutzen, vorgestellt, deren kreative Finanzierungs-Ideen und im Anschluß die Filme selbst.Da ich nicht im Thema bin, aber den Ansatz des "freien Austausch von Kulturgütern" nicht nur spannend, sondern auch unterstützenswert finde, verlinke ich einfach auf Meikes Filmliste zu diesem Panel.
Mir hat auch dieser Vortrag sehr gut gefallen. Wo anders hätte ich davon erfahren und dies so kompetent präsentiert bekommen? Aber das war eben die re-publica: Ein breites Sprektrum aktueller Informationen präsentiert von niveauvoller Kompetenz! Mehr zu freien Filmen auf Meikes Blog: http://www.commonspage.net/
Lesungen
Wie schon erwähnt, gab es gegen Ende der re-publica das, was die Spanier nie tun, nämlich aus ihren Blogs vorlesen. Vor uns also die bloggende literarische Zukunft Deutschlands, bestehend aus: MC Winkel (wie sollte es anders sein), Nilzenburger (ehemaliger VIVA-Moderator Nilz Bokelberg), Dr. Sno (so stellt man sich tatsächlich einen Snow-Border vor), Roman Libbertz (nie gehört), sowie das einzige Mädchen im Tross: Rose!Ich dachte mir, dies sei eine Gelegenheit, mir das mal reinzuziehen. Denn normalerweise würde ich da nicht aufschlagen. Andererseits laden Stimmen von Gewicht zu einer anderen Sicht der Dinge ein. Da saß ich nun.
Ich meine, eine Lesung hängt von der PERFORMANCE ab und so beurteile ich diese Sache auch. Tja, da können wir auch gleich zum nächsten Thema übergehen, wenn da nicht doch etwas gewesen wäre.
Und zwar hat mich Roman mit seinem Text überrascht. Natürlich hatte ich etwas Lustiges erwartet, er las aber eine melancholische, offenbar sehr persönliche Liebesgeschichte vor: Herzzerreissende Geschichten ohne Genialität Teil 1. Sehr authentisch. Ergreifend irgendwie.
Dann kam Nilzenburger und zeigte, wie es geht. Ein sehr schöner Text, hervorragend vorgetragen (Performance), Aufmerksamkeit einfordernd und zum Lachen. Na ja, wenn da nicht mal Marihuana im Spiel war: Gitarren für die Ewigkeit. Perfekt.
MC Winkel wartete dann mit einer älteren Geschichte auf, die ich als zu durchschaubar empfand. Ein Blinddate mit einer erotischen Stimme, die so gar nicht zu dem realen Frauenkörper passen wollte (könnt euch denken, weshalb): Bonnie Crawford 220.
Das solls von hier gewesen sein. Die anderen zwei Texte fand ich belanglos und nicht der Rede wert. Die Literaten drehten noch eine Runde, doch viele Zuschauer verließen an dieser Stelle die Lesung.Immerhin gab es Wichtigers auf der re-publica. Doch ich bin froh, dass ich auch diese Lesung mitgenommen habe. Schön wars. Ja, alles war schön, relevant, interessant, spannend, doch entspannt, lehrreich, lustig, neu, anders, belebt, gut - ja, es war einfach nur gut!










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