ADS bei Erwachsenen
Dass selbst mancher Mediziner und auch Psychologe mit der Diagnostik - bei Erwachsenen - (aus Unkenntnis?) überfordert ist, deutet daraufhin, dass hier ein großer Informationsbedarf besteht. Wie es manchmal so ist.
Ich verweise hier sehr gerne auf Wikipedia. Dort ist ein umfangreicher und sehr informativer Eintrag zu ADS zu finden. Hirn- und Verhaltensforschung gehen in Ursachenforschung und Behandlung eine sehr fruchtbare und erkenntnisreiche Verbindung ein.
Wikipedia notiert zur Ursache dieses Syndroms ein "Zusammenwirken mehrerer Faktoren". Man geht davon aus, dass in vielen Fällen eine vererbare "Anormalität der neuronalen Signalverarbeitung im Gehirn" vorliegt. Die eindeutige Diagnose ist oftmals sehr schwierig.
Auch von dem Namen des Syndroms, der "Aufmerksamkeitssörung", darf man sich nicht irritieren lassen. Denn die Symptomatik ist sehr vielschichtig und vor allem für den Laien kaum zu erkennen.
So kann man davon ausgehen, dass hinter mancher Neurose, mancher Depressionen, manchem Burn Out und vor allem mancher Suchtproblematik ein solcher Befund steht. Und damit hat die sichtbare Problematik weit tiefreichendere Ursachen, als man gemeinhin annimmt - und muss auch entsprechend behandelt werden.
Nicht immer erzeugt dieses Syndrom im Erwachsenenalter krankheitswerte Beeinträchtigungen, die behandelt werden müssen. Denn es ist keine Krankheit im klassischen Sinn. Jeder kennt den "liebenswerten Chaoten", den "verwirrten Professor", den "sprudelnden Kreativling" oder den "talentreichen, engagierten Visionär". Mancher von ihnen hat ADS. Oft sind es Menschen, die nirgends wirklich reinpassen, die sich schlecht integrieren können. Das ist keine Charakterschwäche, oder mutwillige Eigenart - das ist bedingt durch ADS.
Bei Wikipedia, sowie in der Literatur, sind die "Stärken durch ADS" sehr ausführlich beschrieben. Empathie und Hypersensibilität (im Sinne einer außergewöhnlichen Wahrnehmungsfähigkeit) zeichnen die Betroffenen ebenso aus, wie ihre manchmal mitreißende Begeisterungsfähigkeit und ihre vielfältige Kreativität. Zu dem Syndrom gehört beispielsweise auch eine feinsinnige Geräuschempfindlichkeit. Und ihr Gerechtigkeitssinn ist sehr stark ausgeprägt.
Doch das Chaos regiert. Selbst- und Zeitmanagement ist für sie äußerst schwierig, so dass es schnell zu Erschöpfungszuständen kommt. Sie wollen dies oder das erledigen, doch bleiben bei ganz anderen Dingen hängen. Man kann sich mit ihnen tief, lang und spannend unterhalten, doch bei Banalitäten und Nebensächlichkeiten, schalten sie weg. Sie vergessen, wo sie ihren Hausschlüssel hingelegt haben und was sie gerade tun wollten. So könnte man schnell annehmen, ihr Gedächnis sei beeinträchtigt. Daher auch der Aspekt mit dem Aufmerksamkeitsdefizit.
Manchmal ziehen sie sich von der Außenwelt zurück. Überforderung durch Alltäglichkeiten, Eindrucksüberflutung und Näheanforderungen in der Partnerschaft bewegen sie zum Rückzug. Es ist eine Art Stressbewältigung, wofür sie manchmal auch Drogen oder Alkohol einsetzen, nur um sich runterzufahren, um schlafen zu können. Doch für die Umgebung könnte es ganz anders aussehen. Manchmal führt das bei den Betroffenen zu einer schmerzlichen Isolation.
Dieses Syndrom in seinen vielfältigen Ausformungen ist eine hoch interessante Sache. Es spielt sich zuweilen am Rande der Hochbegabung ab. Da es noch nicht lange bekannt ist - vor allem bei Erwachsenen - sind Diagnostik und Behandlung umstrittene Angelegenheiten.
Wirkt nun die Psyche auf die Botenstoffe, oder ist deren Mangel Ursache von seltsamen Verhalten? Wir kennen das schon im Zusammenhang mit Verlieben und den biochemischen Prozessen dazu. Je nach Neigung und Ausbildung stellt man sich auf die genehme Seite. Vielleicht, so lerne ich, ist manches doch ganz anders ... als man DENKT.
Wenn man NICHT die richtigen Informationen hat, beurteilt man Menschen, Ereignisse, die Welt und das Leben auf eine Art, die der Wirklichkeit nicht immer gerecht wird. Man braucht sehr viel genaue Informationen um sich "ein Bild zu machen", um korrekt zu denken und um die Dinge zu sehen, wie sie tatsächlich sind. "Aufklärung" ist auch hier noch lange nicht abgeschlossen.
Ich finde Neurobiologie und die modernen Erkenntnisse der Medizin hochspannende und sinnvolle Themen.
http://www.ads-bei-erwachsenen.de/










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