Mein Führer
"Wer will schon gewöhnliche Filme drehen", meint Ulrich Mühe, der den jüdischen Schauspieler Adolf Grünbaum spielt, der den Führer unterrichtet. Dani Levi merkte an, dass er Hitler "nicht die Ehre einer realistischen Darstellung gewähren" wollte. Und so ist es auch, der Hitler in Mein Führer ist so was von unrealistisch und groteskt, so lächerlich, dass der Abstand zum historischen Tyrannen nicht größer sein könnte. Und Helges Maske sieht einfach nur scheiße aus.
Da alle über Helge Schneider als Onkel Adolf in diesem Film reden, werden andere leicht übersehen, oder kommen in den Beschreibungen zu kurz. Beispielsweise Sylvester Groth als Dr. Goebbels und Ulrich Noethen als Heinrich Himmler. Alle beide mit Maske, Text und Schauspiel sind wirklich grandios. Ulrich Noethen, das muss man leider feststellen, aber ein Glück für den Film, sieht dem wirklichen Heinrich Himmler beängstigend ähnlich. Ich dachte: "Mein Gott, das ist der Typ!"
Die heimliche Hauptrolle in diesem Film aber hat Sylvester Groth als Goebbels. Ich glaube, Goebbels ist für einen Schauspieler eine dankbare Aufgabe, weil diese Figur so schwer zu spielen ist. Den sprachlichen Duktus von Goebbels traf Groth exakt, manchmal so, dass es einem kalt über den Rücken lief. Denn diese gewissenlose Brutalität hinter dieser grinsenden Fratze, dieser Abgrund von Lüge und Intelligenz, von Schmeichelei, Kalkül und Taktik, dieses vereinahmende Verführen, Benutzen und die letztendlich tötliche Macht hinter der Maske des Verständnisses, ist, so meine ich, derart komplex und subtil zu spielen, dass das sicher nicht jeder kann. Man hört es schon raus: ich bin sehr schwer beeindruckt von Groths Leistung.Der Film ist eine Groteske, wie Helge Schneider bei Beckmann sagte. Und dieses Groteske, das bei aller Menschenverachtung diese Mörderbande damals auch schon an sich hatte, schwingt in dem Spiel natürlich immer mit. Diese Mischung finde ich sehr spannend.
Ja, man kann lachen über diese Figuren und ihre Dialoge, das ständige "Heil Hitler". Als Grünbaum am Schluß eine Brüllrede für Hitler spricht, da dieser nach einem Wutanfall, weil ein "dickbusiges Phlegma" (Helge) ihm den halben Hitler-Bart abrasierte, seine Stimme verlor, und Grünbaum dem deutschen Volk zuruft: "Heil ... Heilt euch selbst!" Und doch ist im Hintergrund das Unglaubliche, der Hass, die Menschenverachtung, die Vernichtung, die KZs, der Tod präsent.
Nein, hier wird nichts verharmlost. Den Führer als neurotischen und damit allzumenschlichen Schwächling darzustellen, bezieht sich, so empfinde ich es, auf den Film Der Untergang und zieht auch ihn ins Lächerliche. Hitler hatte nun einmal - da kommen wir nicht drumrum - dieses Lächerliche an sich. Nur, dass dieses Lächerliche Abermillionen Menschen das Verderben brachte. Die Riege um ihn herum, die Bagage, die Paladine, seine Schergen sind es, an denen der Irrsinn, das Absurde, Groteske, aber auch die Faszination, an Macht zu partizipieren und dafür seine Seele dem Teufel zu verkaufen, deutlich wird.
Dieser Aspekt wird in dem Film sehr deutlich. Die Paladine beobachten ihren Schützling, den Führer, durch die Gemälde in seinem Arbeitszimmer, gerade so, wie wir es aus den Verhörräumen in Krimis kennen. Besonders Albert Speer tut sich dabei als Arschkriecher und äußerst zwiespältige Person hervor.
Die Details des Führer-Zimmers sind wirklich groß. Verfallen, geschmacklos und spießbürgerlich untermalen die Bauten den groteskten Ansatz des Streifens. Man weiß, SO kann es nicht ausgesehen haben. Es wird alles ad absurdum geführt. Nur, dass die Opfer dieses Regimes ihre Würde behalten. Sie versuchen gar den Führer, der im dämlichen Nachthemd zwischen den Grünbaums von seinem brutalen Vater träumt, umzubringen und der alte moralische Zwispalt des Tyrannenmordes wird ansatzweise verhandelt.
Der Film lohnt auf jeden Fall, man muss ihn sehen, um sich ein Urteil bilden zu können. Wer wegen des Helge-Schneider-Humors in diesen Streifen geht, wird enttäuscht sein. Helge agiert eher als ernsthafter Schauspieler, auch wenn es kleine Szenchen gibt, in denen er den Helge kurz durchscheinen lassen darf.
Der Film ist toll!
Mein Führer - Offizielle Website













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