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re-publica 2008 Berlin

Unser Deutsch

Echt? Siehste.
404 - 9. Mai, 18:21
Sorry!
404 - 9. Mai, 18:09
Nette Cousinen! :-)
N (anonym) - 9. Mai, 10:55
Nicht ... ehm ... wahr...
404 - 9. Mai, 10:06
Ähm...ah ja...alles...
caliente_in_berlin - 9. Mai, 09:53
Klar, beim nächsten...
nachtschwester - 9. Mai, 00:18
himbeereis, dazu noch...
Lo - 8. Mai, 20:08
Weiß nicht
404 - 8. Mai, 18:00
Erdbeereis?
404 - 8. Mai, 17:47
ist das eine challenge...
herold - 8. Mai, 13:51
Himbeereis und Heu?
sokrates2005 - 8. Mai, 10:29
Aha
404 - 8. Mai, 09:24
Eine Einestagesstory...
SabineD - 7. Mai, 23:52
*tröööt
404 - 7. Mai, 23:18
Also
404 - 7. Mai, 23:14
SpOn am Puls der Zeit
Axel (anonym) - 7. Mai, 21:28
Immer auf See!
404 - 7. Mai, 19:43
Genau!
404 - 7. Mai, 19:40
Das war schlecht zwar...
DonParrot - 7. Mai, 17:50

Mein Deutsch

Reiner von Vielen heute....
Reiner von Vielen heute. Schaffe es leider doch nicht....
RehVolution - 10. Mai, 14:22
Echt? Siehste.
Qausi über die Straße. Also, geb Laut dann....
checkbox - 9. Mai, 18:21
himbeereis und tattergreis sonnenschirm.. .
himbeereis und tattergreis sonnenschirm für matschgehirn und...
checkbox - 9. Mai, 18:18
Sorry!
Die sind erst 15 und n Keks. Aber gut in Mathe!
checkbox - 9. Mai, 18:09
Nicht ... ehm ... wahr...
Nicht ... ehm ... wahr ...!
checkbox - 9. Mai, 10:06
Weiß nicht
Sieht nach Vorausscheidung aus!
checkbox - 8. Mai, 18:00
Erdbeereis?
checkbox - 8. Mai, 17:47
Ganz recht.
Aber was ist das für ein Heiligtum, das auf dem...
herold - 8. Mai, 09:34

Duda

Du bist nicht angenoggt.

404 ist

Auf Linie seit:
955 Erdumdrehungen
Zuletzt aktualisiert:
10. Mai, 11:37

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Das Ende ist mein Anfang

19
Dez
2006

hamburg

Licht aus für Kiez-Legende

Ex-Zuhälter und Kiez-Legende Stefan Hentschel ist tot. Er erhängte sich gestern im Box-Keller der Ritze auf der Hamburger Reeperbahn. Berühmt wurde der ehemalige Rotlicht-Pate vom Kiez auf St. Pauli durch die WDR-Dokumentation "Der Boxprinz" und einer Szene daraus, die als gewaltätiges Internetvideo zum Kult wurde, sowie durch eine Biographie der SPIEGEL-Redakteurin Ariane Barth Im Rotlicht. Das explosive Leben des Stefan Hentschel.

In diesen Tagen steigt die Selbsttötungsrate auf ein Jahresrekordhoch. Das christlich-kuschelige Familienfest wird für einige unerträglich, zum Todesstern, ihre Einsamkeit, Verzweiflung, Depression und Hoffnungslosigkeit treibt sie zum Äußersten. Das ist die Schattenseite dieses Festes, die man gern verdrängt. Auch unsere Suchtberatungsstellen verzeichnen an "den Tagen" danach einen tüchtigen Zuwachs an verzweifelten und hilfesuchenden Menschen. Diese Anmerkung sei mir zum Tode Hentschels kurz erlaubt.

Ich konnte Stefan Hentschel im letzten Jahr hautnah Live erleben. Eine sehr gute Freundin von mir schleppte mich auf eine kleine, ziemlich spannende Kultur-Veranstaltung auf der Reeperbahn mit, weil eine Nachbarin von ihr, die sich in der Kurverwaltung St. Pauli engagiert, aus dem Buch von Ariane Barth über Stefan Hentschel las - während selbiger zugegen war.



Wochen zuvor schickte mir ein befreundeter Kameramann den Link zu diesem unsäglichem Video, in dem Hentschel einem harmlosen, ausländischen Passanten, vor den Augen des WDR-Kamerateams, eins auf die Glocke scheppert. Es sieht lustig aus, wie er dem Hempfling eine scheuert, aber es ist ekelhaft, weil brutal und gewalttätig.

"Warte mal, ich glaube, ... wie hieß der, wo wir jetzt hingehen?", fragte ich meine Begleitung, als wir auf dem Weg zur Lesung waren. "Ich glaube, ich weiß, wer das ist ... ein Arschloch!" Ich hatte zuvor noch nie von ihm gehört.

Und tatsächlich, wir kamen in das kleine Zimmer, in dem die Lesung mit Hentschel stattfand - und da saß er dann, ein Bär von einem Mann, schick im Anzug, lächelnd und feixend, mit einem Weizenbier in der Hand. 10-12 Leutchen waren wir dort. Es wurden Auszüge aus dem Buch vorgelesen. Sehr interessant. Hinterher konnte man Henschtel dazu Fragen stellen. Er hatte eine Art Bediensteten, ein christlich-bekehrter Zuhälter-Kollege, der sich um ihn kümmerte und ihm ein Weizenbier nach dem anderen brachte. Hentschel war dann angeschickert und drehte etwas auf.

Er war redselig und auskunftsfreudig, er hatte - natürlich - einen derben Humor und fühlte sich offensichtlich sehr wohl dabei, im Mittelpunkt zu stehen. Seine Sprache fand ich groß, er wusste sich auszudrücken und benutzte teilweise "Milieu-Slang", der aber echt spannendes Deutsch ist. Es war auch eine kleine Fangemeinde angereist, vier Jungs aus Düsseldorf, die extra wegen ihm gekommen waren, wegen des besagten Videos, und die den Hentschel-Spruch aus jener Szene aus dem Video vorne auf dem T-Shirt trugen: "Ich hab' da kein Bock drauf, hier mit den Arschlöchern rumzureden!"

Wegen Urheberrechtsgeschichten musste ich das hier gezeigte Video heraus nehmen. Es befindet sich bei YouTube!

Am Ende fing er an, meine Begleitung durchaus charmant, aber sehr klar anzubaggern. Das erstaunlichste an ihm war seine Menschenkenntnis. Meine Begleitung hat Ausstrahlung und Charakter, sie hat das gewisse Etwas, und darauf ist der Hentschel abgegangen. Es gab noch mehr Szenen und Erzählungen von ihm, in denen seine subtile und glasklare Menschenkenntnis zum Vorschein kam. Wahrscheinlich durch sein rauhes, gewalttätiges Leben hat er gelernt, sehr schnell und präzise seine Umgebung zu SCANNEN und wusste sehr genau, von wem er was zu erwarten hatte, bzw. von wem eine potentielle Gefahr ausging. Wirklich beeindruckend.

Ich habe mir daraufhin das Buch gekauft und es regelrecht VERSCHLUNGEN. Was dieser Typ in seiner Kindheit erleben musste, ist, abgesehen von dem gewalttätigen Großvater, meiner "strukturell" nicht ganz unähnlich. Nur, dass Hentschel eben sehr früh gelernt hat, sich erfolgreich KÖRPERLICH durchzusetzen. Seine gewalttätige Skrupellosigkeit - obwohl er glaubhaft so etwas wie einen "Ehrenkodex" in Sachen Kampf (immerhin war er mal Profi-Boxer) hatte - ermöglichte ihm einen raschen Aufstieg auf dem Kiez in den 70er Jahren.

Was Hentschel in dem Buch über die Frauen, und hier über Huren schreibt, ist ebenfalls sehr lesenswert. Auch für mich glaubhaft, dass er keine Frau GEZWUNGEN habe, für ihn zu arbeiten - es sei denn, sie hatte Schulden - aber dass er keine geschlagen habe. Sie blieben FREIWILLIG bei ihm, ja, manchmal liebten sie ihn sogar.

Sein halbes Zuhälterleben war er mit einem Bein im Knast und mit dem anderen auf der Flucht. Auch vor dem Auftragskiller Mucki Pinzner, der im Hochsicherheitstrakt des Hamburger Polizeipräsidiums 1986 ein Blutbad anrichtete, flüchtete er. In dem Buch wird beschrieben, wie er auf den Kanaren, meinen Herzensinseln, in Brasilien und Jamaica lebte. Mich packte nach dem Buch eine dramatische Entschlusskraft und ich flog kurzerhand auf die Kanaren ...

Das Buch lohnt sich wirklich. Es ist im Hentschel-Jargon geschrieben, das macht den Einstieg nicht leicht. Aber dann ist es einfach nur interessant, dieses Leben mit dieser ganzen Gewalt, das dieser Mensch führte. Hentschel war zuletzt vermutlich depressiv und sehr wahrscheinlich war er suchtkrank, latent alkoholabhängig. Ein Sozialhilfefall, er hatte alles verloren. Er erzählte damals noch, dass er für ALLES bezahlt habe - auch mit Knast - und zeigte seine Schusswunden, seine Stichnarben, seine Verletzungen, ein Auge hatte er drangeben müssen. Ja, dazu stand er, er stand zu seinem Leben ... und zu seiner Schuld - und dass er sie beglichen habe. Ich glaube ihm das, es war spürbar.



Ich habe von seinem Freitod (ich mag das Wort Selbstmord nicht, denn es führt in die falsche Richtung) eben gerade beim Zeitungsmann erfahren und kam deshalb mit einem älteren Mitbürger ins Gespräch, ungefähr Hentschels Alter (57+). Auch er erinnerte eine Begegnung mit diesem, auch da ging es um Gewalt. Auch er bestätigte Hentschels Scannen der Umgebung und seine intuitive Menschenkenntnis. Dieser Zuhälter war beeindruckend. Von Ariane Barth übrigens, fühlte er sich übervorteilt. Er brauchte Geld, das Buch schildert sein Leben, doch er ist nicht der Autor. Verfilmt werden sollte es, darauf spekulierte er, auf die Rechte. Vielleicht kommt der Film ja noch.

Hentschel war, wie immer man sich zum ihm stellt, ein sehr interessanter Mensch, recht intelligent und mit einer kolossalen Lebenserfahrng und Intuition ausgestattet. Nicht, dass ich ihn sympathisch fand, nur FALSCH war der nicht, der war echt - denn nichts ist schlimmer als Falschheit, Heuchelei und Verschlagenheit. Doch ich empfand ihn auch deutlich als einen Gewalttäter, ich habe es so gespürt, wie LYLO es ausdrücken würde. Hentschel konnte das auch reflektieren, ihm war schon klar, was abging, er blieb aber in seiner Macho-Welt gefangen.

Dieser - gar nicht so schlechte - Spruch wird von ihm bleiben:
"Ich hab' da kein Bock drauf, hier mit den Arschlöchern rumzureden!"

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medienjunkie2.0 - 19. Dez, 19:33

ich hatte heute von einem mord in der ritze gehört, ich denke wohl eher das war gemeint. finde den artikel hier übrigens sehr gelungen, man liest selten sowas gut geschriebenes und informatives. vllt. werde ich mir sogar das buch mal kaufen, das besagte video kenne ich auch.
404 - 20. Dez, 00:42

Man komplimentiert.

Danke schön, medienjunkie2.0!

Das Buch ist, wie schon erwähnt, wirklich empfehlenswert und man liest es fast in einem Zug durch!

Das Video, obwohl hier in einer viel längeren Version, ist natürlich unter uns Netz-Junkies schon seit einiger Zeit bekannt ...
Neo-Bazi (anonym) - 20. Dez, 01:07

Ich kannte ihn nicht persönlich, doch mit allen Einschränkungen war er mir nicht unsympathisch. Leider mußte ich dazu heute bei Matthias in den Kommentaren ganz anderes lesen.

Deshalb danke ich dir ausdrücklich für diese klare Stellungnahme.
404 - 20. Dez, 01:47

Dieser Text

Mensch, ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass dieser lange Text tatsächlich gelesen und kommentiert wird - vor allem mit diesem Thema. Deshalb habe ich eben versucht, einige Rechtschreibfehler zu eliminieren.

Mein Dank geht an dich, lieber Edi, und an medienjunkie2.0, zurück!

Ich habe es eben drüben bei Matthias gelesen.
http://www.mattwagner.de/2006/12/tod-eines-luden.htm

Ich kann Matthias´ Haltung verstehen. Aber du drückst es ganz gut aus, denn er war mir damals zwar nicht sympathisch, aber auch nicht unsympathisch.

Hentschel war eine sehr zwiespaltige Gestalt, vielleicht hat er mich deshalb so fasziniert. Auf jeden Fall lohnt er einen zweiten Blick. Natürlich sind viele Luden Vollhirnis und gefährliche Idioten. Aber es macht keinen Sinn, alle Kerle aus dem Milieu über einen Kamm zu scheren. Es gibt noch andere Beispiele, aber dazu vielleicht ein Andermal.
die nachbarin (anonym) - 1. Feb, 00:35

Stefan Hentschel

Ich dank dir auch sehr für deinen warmen, interessierten Artikel- das ist der erste Beitrag, den ich über Stefan lese, der von jemandem stammt, der ihn persönlich erlebt, aber nicht zum Helden stilisiert hat wie so viele kleine Jungs in diversen Foren..
Ich bin übrigens die besagte Nachbarin & ich kann mich auch gut an dich bei der Lesung erinnern- wie schön, dass du mit deinem Beitrag den guten, alten Hentschel ein bisschen aus der Zuhälter-Schmuddelecke holst- das hat er verdient! (und DANKE für den Link zur Kurverwaltung- wie aufmerksam!:-)
An alle anderen, die Hentschel nur eindimensional als letzten echten Cowboy oder Ludenarschloch sehen- ja, das war er alles, ein grober Hund, ein Macho, stur und aggressiv, aber auch sehr nachdenklich, kindlich neugierig, dankbar für jede Freundlichkeit, ein Kraftpaket mit der lautesten Lache, die ich jemals gehört habe, ein Riesenherz im Bärenkostüm, ein eitler Sack und ein echter Freund. Ich hatte Hentschel von Herzen gern, wir sind uns immer auf Augenhöhe begegnet, er hat mich niemals auch nur im Ansatz angegraben, ich hab ihn als einen warmen, lebensklugen Kerl kennengelernt, der beweisen wollte, dass er auch anders kann, der an Frauen viel wiedergutmachen wollte, und das habe ich erleben dürfen. War mir ein Bedürfnis, dein Forum zu nutzen, um mit ein paar Klischees aufzuräumen, das ist man nem alten Freund ja schuldig..
404 - 1. Feb, 16:13

Hey, NACHBARIN

Das finde ich voll schön, dass du meinen Beitrag gefunden und kommentiert hast. Vielen lieben Dank dafür. Und dass du meinen Eindruck stützt, eben dass Hentschel nicht so schlecht war - und sich tatsächlich bemüht hat!

Tja: Für die Kurverwaltung St. Pauli immer gerne. Ich finde die Idee prima!

Hin und wieder läuft man sich übern Weg, gell. Ich sage nur: Hein-Köllisch-Platz. Möglicherweise verübe ich auf dich/euch demnächst mal ein Attentat, denn es rufen lyrische und größere Projekte lauthals nach Belebung!
Nachbarin (anonym) - 4. Feb, 00:24

immer her mit den lyrischen Projekten!

Bin gerne dabei, wenn's um die Kiezkunst geht!
Hab mich nur so kryptisch als Nachbarin in die verbale Burka gehüllt, weil ich schon so oft brav meinen vollen Namen in Gästebüchern und Foren hinterlassen habe (und auch das nicht immer nüchtern..räusper..), und das findet man dann bis heute immer schön bei Google, wenn man meinen Namen eingibt.. Sollte also kein eitler Schleiertanz sein, und Stefan hatte ja grade nach seinem Tod nen Haufen Freunde- wer ihn alles gut gekannt haben will, eieiei.. Da muss ich mich nicht auch noch mit grosser Pose einreihen, verstehste?
Für die Kunst bin ich zu allem bereit- weisst ja, wo du mich findest!
Und weiter so mit dieser feinen Seite- macht Spass!
404 - 5. Feb, 10:56

Schön zu wissen

Ah, ich danke dir!
Ich komme, wenn es konkreter wird, dann tatsächlich auf dich zu!

Jazz mein Deutsch

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