Strahlender Advent
Dieser Hamburger Exklusiv-Stadtteil hat Zeiten gesehen, als aus Russland noch das Geld für die linken Aktivisten kam. Es tummelten sich politische Exilanten aus Chile dort. Links-Alternativ. Und jetzt das.
Dieser Stadtteil hat sich natürlich entwickelt. Im Windschatten der Kreativ-Alternativen strömten Yuppies ein. KünstlerInnen, WerberInnen, EsoterikerInnen, PsychotherapeutInnen. Später dann hatten die Dinks (double income no kids) das Viertel im Griff. KünstlerInnen, WerberInnen, ProjektmanagerInnen, PsychotherapeutInnen. Allerdings immer grün angehaucht und, wie gesagt, links-alternativ.

Hark Bohms Filmstudiengang in der Hamburg Media School, die vielen Drehbuchautoren und Regisseure (übrigens ein Wort, das ich sehr schlecht aussprechen kann), die diesem Entsprangen, und in diesem Zusammenhang die Zeise Kinos, strahlen weit über Ottensen hinaus. Hier lebt man gern. Überteuert, eng, aber Eigentum und exklusiv.
Einer der besten Filme von Fatih Akin: Kurz und schmerzlos
Heutzutage leben in diesem Hamburger Stadtteil moderne Klein- und Patchworkfamilien. Natürlich alles kreative, sozial-engagierte Leute. Ich habe auch den Eindruck, Ottensen hat die höchste Kinderdichte der ganzen Republik. Du bist jung, hast Geld, einen Job, bist kreativ, grün, willst Kinder? Dann aber schnell ab nach Ottensen.
Naaaein, es leben da noch ein paar entspannte Leute am Ort und vor allem meine von mir wirklich sehr geschätzten türkischen Mitbürger sorgen dafür, dass Ottensen kein eigenständiger Planet wird. Alles gut.

Während man früher gegen rechte, südamerikanische Diktatoren kämpfte, kämpft man heute für eine renten-optimierte demographische Entwicklung. Ich sage nur: Vorbildlich!
Und jetzt schleppen völlig durchgeknallte, brutale und rücksichtslose Geheimagenten dieses äußerst tödliche Polonium 210 durch die Gegend und hinterlassen eine Spur der Verstrahlung. Nicht einmal stecknadelkopfgroß soll die tödliche Dosis dieses Giftes sein, das nur aus russischen Atomlabors stammen kann. Was für ein Irrsinn. Nicht auszumalen, wenn das in weitere mörderische Terrorhände gerät.
Während man Ottensen mit seinen vielen, wilden, kleinen Kinderchen den Advent verstrahlt, stirb in aller Seelenruhe, friedlich und betagt der chilenische Ex-Diktator Pinochet. Seine Opfer hingegen, gefoltert und irgendwo verscharrt, wurden oft nicht mehr aufgefunden und die Justiz ist an diesem Arschloch schlichtweg gescheitert. England und Spanien hatten einst den Versuch unternommen, ihn in den Knast zu werfen. Doch es half alles nichts. Hausarrest hatte er zuletzt.
Diktatoren haben oft, ähnlich wie radioaktives Material, eine sehr lange Halbwertszeit und sind für viele Unschuldige tödlich. Zu viele von solchen Halunken belasten vermutlich noch eine ganze Weile die Menschheitsfamilie und wir kriegen sie einfach nicht weggebetet. Aber ich glaube ganz fest daran, dass der Tag kommen wird, an dem dieser tödliche Wahnsinn des Terrors und der Gewalt ein Ende hat.













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