deutschland. ein sommermärchen.
Ich weiß nicht, was der kritische Geist von diesem Film erwartet hat. Ich weiß nur, dass es genügend Leute gab, die auch an der WM etwas auszusetzen hatten, oder überhaupt keinen (emotionalen) Bezug dazu herstellen konnten.
Der Film ist einfach Kamera drauf und Schnitt. Er versucht, das Wesentliche dieser einmaligen Mannschaft einzufangen. Es werden (folgerichtig) sehr wenige, äußerst knappe Szenen aus den Matches gezeigt. Wer die Fifa kennt, der weiß, dass das teures Zeug ist und ich glaube, das war der Grund, warum man bei dem Film das Gefühl hat, es fehlt etwas Dramaturgie. Einzig wirklich bescheuert: die Moll-Musik von Xavier Naidoo.
Andererseits wissen wir längst, dass die Mannschaft relativ abgeschottet war und auch erst sehr spät WIRKLICH begriffen hatte, was für eine gigantische Euphorie da im Lande herrschte. Dies wird deutlich, als das Team in Stuttgart (Spiel um den 3. Platz) an den Fenstern ihres Hotels einer unglaublich begeisterten, feiernden Fanmasse entgegenwinkt. Ergreifend.
Zu Beginn des Films diagnostiziert Klinsmann den Charakter der Deutschen, den er aus dem Ausland deutlich wahrnehmen kann. Hier gibt es meines Erachtens keine Trennung von Fußball und Gesellschaft. Sinngemäß: Die Deutschen halten am Status Quo verkrampft fest, wollen ihre Erfolge konservieren, mögen Veränderungen nicht, dadurch kann Neues kaum entstehen, sie jammern gern ... usw.
Und dann das. Diese Euphorie, dieses rundum tolle Ereignis, für mich mit die schönsten, ergreifensten 4 Wochen in meinem Leben, diese gigantische, friedliche, fröhlich, internationale Party, in der man mittendrin war oder die man eben echt verpasst hat, ... war AUCH Klinsmanns Verdienst. Der Film spiegelt das wieder.
Er ist ein Dokument, nicht mehr und auch nicht weniger. Er zeigt, wie Fußball gearbeitet wird. Er zeigt sehr deutlich, dass es, wie im richtigen Leben, um Psychologie, Motivation, die richtige, nämlich eine positive Einstellung und GEMEINSAME Haltung geht. Und was es, wenn man ein Ziel hat, alles zu tun und zu bedenken gibt.
Wie Klinsmann in seinen Ansprachen an die Mannschaft die Spieler erreicht, wie das ganze Trainergespann sehr präzise die wesentlichen Dinge herausarbeitet und überhaupt wahrnehmen kann. Eine Klinsmann-Kabinenansprache sinngemäß: "Wenn etwas passiert, wenn sie ein Tor schießen - das macht nichts, das ist Ok. Kein Problem. Es ist kein Problem. Was machen wir, wenn das passiert? Brust raus. Wir machen weiter. Kein Problem. Wir packen das. Wir geben ihnen die richtige Antwort, wir kennen unser Ziel ...
Ich fand das toll und sehr erhellend. Allein dafür hat sich dieser Film gelohnt. Er gehört zu unserer WM und ist unsere WM. Wirklich sehr schöne Bilder, wie die Sicherheitskräfte, Polizei und Millitär, den vorbeifahrenden Bus mit der Mannschaft bejubeln und befeiern. Wie der Staff vor den Stadien die abreisenden Spieler mit einem Fanfest verabschiedet. Einfach Wundervoll! Was für eine WM! Was für eine tolle Mannschaft! Was für tolle Fans!
Ein ganzen Land brennt in Liebe und Leidenschaft.
Ich hatte keine "Filmkunst" erwartet - sondern ich wollte ES sehen!
Links dazu:
- Wo der Baum brennt
- Der Kabinenprediger
- Fußball wie noch nie
- Sommermärchen bei Wikipedia









