Frauenbilder Mannsbilder
Das hätte man einem so alten Western gar nicht zugetraut: Die sehr subtile Darstellung eines Mannes, der sich seiner selbst und damit seines Selbstwertes sehr bewusst ist und danach (zwangsläufig) handelt. Er trifft auf eine Frau in den engen Grenzen deren Männerbildes, das sie, vom eigenen Vater(bild) dominiert, fraglos übernommen hat. Die Story überrascht sehr für die damalige Zeit. Der Streifen aber ist durch die vielen verschiedenen Ebenen von zeitloser Aktualität.
Nebenbei bemerkt, spielt Gregory Peck den James McKay sehr überzeugend, nachdenklich, bei sich und souverän.

Ich halte bestimmte Aspekte aus diesem Western im Zusammenhang mit der aktuellen Frauenwoche für wirklich erwähneswert und deshalb hier ein längerer Text.
Es geht um Geschlechterrollen und Beziehungen. Beziehungen aber fangen immer mit der Beziehung zu sich selbst an. Hier liegt, wie ich meine, ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis von Beziehungen. Wobei man feinsinnig unterscheiden sollte zwischen Liebe und Beziehung. Ich kenne viele Frauen, die Liebe gleich Partnerbeziehungen setzen und das geht eben nicht.
Zum Film: Da kommt ein Greenhorn, ein richtiger Gentlemen aus dem Osten in den wilden Westen, um eine sehr attraktive Frau zu freien. Sie ist die wohlhabende Tochter eines mächtigen Rinderzüchters.
Gleich zu Beginn des Films wird der Konflikt angedeutet. Der Rinderzüchter hegt eine alte persönliche Feindschaft mit seinem etwas heruntergekommenen Rivalen. Ihren Hass machen sie an ihrem Streit um die einzige Wasserstelle in der Gegend in den trockenen Monaten fest. Dieser Western ist jedoch eine Absage an Gewalt als Konfliktlösungsstrategie ... und zeigt dies im KLEINEN. Gewalttätigkeit beginnt in den Individuen, im Alltag, in den Haltungen, und nicht erst im Krieg.
Das Greenhorn wird von allen Cowboys herausgefordert und auf die Probe gestellt: Der Gentlemen soll sich gefälligst als Mann (als das, was diese groben Kerle unter einem Mann verstehen) beweisen, wenn er Anerkennung und Respekt haben möchte. Dies aber verweigert er ständig. Ihm scheint es nichts zu bedeuten, sich zu entblößen und sich diesen rauhen Kerlen gegenüber zu beweisen. Es lässt sich nicht provozieren und spricht mehr als einmal das böse N-Wort aus: Nein!
Dies geht so weit, dass sich seine Verlobte gedemütigt fühlt, weil auch sie glaubt, mit einem Feigling liiert zu sein. Während der Gentlemen das für und mit sich selber ausmacht, soll er in ihren Augen vor aller Welt nicht als Schwächling dastehen, sondern im Gegenteil, seine Liebe zu ihr mit Mannesmut - und Gewalttätigkeiten - beweisen. Dass sein Mannsein aber einer ganz anderen Definition zugrunde liegt, bekommt sie nicht mit, ist Jenseits ihrer einfachen, überschaubaren und damit handhabbaren Welt.

Die Schlüsselszene dazu ist der Dialog der beiden, als er beschlossen hat, sich von ihr zu trennen, weil sie ihn nicht versteht. Ehedem hat er sich zu einer räumlichen Trennung von ihr entschieden, damit beide in Ruhe nachdenken können. Sie kommt also, als sie herausgefunden hat, dass er gar kein Feigling ist, angeheult und will die Beziehung retten.
Sie hätte kein Vertrauen zu ihm gehabt, gibt er zu erkennen. Sie aber fragt sich, warum er ihr zuliebe, sich gegenüber den anderen Männern - inklusive ihres Vaters - nicht bewiesen habe. Er meinte, er müsse sich niemanden gegenüber etwas beweisen, sondern nur sich selber; und einem Menschen, der ihn liebt, einer Frau, die ihn liebe schon mal gar nicht.
Sie konnte das nicht verstehen, denn sie war so gefangen in ihren eigenen Bildern, die männliche Gewalt und Imponiergehabe fest mit einschlossen, dass die Unterschiedlichkeit beider Partner sehr deutlich zu Tage trat. Er blieb er selbst und ließ sich nicht beirren. Er nahm sich die Zeit, alles zu durchdenken und klar zu sehen - sich und anderen nichts vorzumachen. Ihr wahres Gesicht gibt sie zu erkennen, als sie ihm zum Abschied sagt, dass er nicht einmal halbsoviel wert sei, wie ihr Vater.
Als Gegenpart zu ihr gab es die Lehrerin mit der Wasserstelle. Diese konnte ihn ganz natürlich und leise verstehen. Und sie war es auch, die versuchte die Beziehung der beiden zu retten, in dem sie ihm sagte, dass wenn seine Verlobte nicht mehr unter dem zu starken Einfluß ihres Vaters stünde, ihr wahres, ganz anderes Wesen zu Tage treten würde. Doch es war zu spät.
Über diese Thematiken gibt es sehr viel zu reden, zu schreiben und nachzudenken. Ich tue das und mich hat dieser Film berührt. Die vielen Zusammenhänge, die hier angesprochen wurden, sind unter anderem die Gewaltbereitschaft der Amerikaner und Machotum ansich - die Ursachen davon und die mögliche Alternativen.
Viele von uns lassen sich auf Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten ein - und wundern sich, warum alles so durcheinander ist. Heutzutage kann ein Kerl keinen wilden Gaul mehr zureiten um seinen Kumpels und am Ende auch der Damenwelt zu gefallen, zu imponieren. Heute gibt es andere Strategien (Blogging?), sehr subtile manchmal, oft vollständig unbewusst. Und die Frauen spielen diese kleinen blöden Spielchen mit, befördern sie sogar. Obwohl sie es doch eigentlich besser wissen müssten. Oder?
Nein, es hängt am Grad des Selbst-Bewußtseins, an einem Wertesystem, das bei einem selber anfängt und nicht aufgesetzt wurde, an dem Rollenverständnis und am Unterscheidungsvermögen.
Denn dass man Anerkennung und seinen Selbstwert auch woanders finden kann, als in zerstörerischen, konkurrenzfördernden, oberflächlichen, in Gesellschaft oder Subkultur anerkannten stereotypen Verhaltensmustern, davon ahnen eine Menge Menschen offenbar noch recht wenig. Die Spielregeln sind immer gleich, nur das Setting ist ein anderes ...
Grundlage des Drehbuchs ist der Roman "The Big Country" von Donald Bengtsson Hamilton. Mehr bei Wikipedia












