Fundamentale Christen
Nur wer an Jesus Christus glaubt, von ihm Vergebung seiner Schuld vor Gott empfangen hat und sich von ihm bestimmen läßt, kann Mitglied einer Gemeinde werden. Getauft wird duch Untertauchen auf das Bekenntnis des persönlichen Glaubens hin, jedoch ist diese Taufe nicht Aufnahmebedingung in die Gemeinden, es wird akzeptiert, wenn Mitglieder ihre Säuglingstaufe als christliche Taufe annehmen.
"Hoffentlich haben die noch so lange geöffnet!"
"Wir wollen das Beste hoffen: Toi-toi-toi!"
"Sag das bloß nicht!"
"Was? Was soll ich nicht sagen?"
"Das ruft ihn herbei!"
"Wen ruft was wie?"
"Es heißt Teufel, Teufel, Teufel und ..."
Ich habe es eine halbe Nacht lang versucht und mir ihr geredet. Nichts zu machen. Im Gegenteil, sie hat gemeint, sie sei schon recht gut in den Argumentationen, hat jedoch noch einiges zu lernen ... bis sie wirklich überzeugen und damit missionieren kann. Suchtkranken Jugendlichen möchte sie gern helfen, sie glaubt, dass sie das mit ihrem neuen Glauben könne.
"Ja, und dann möchte ich mal in die USA. Nach Toronto, da ist ein Zentrum ..."
"Toronto ist aber in Kanada!"
"Ja, nach Kanada möchte ich."
"..."
"Ich bin ja so dumm, richtig dumm!"
Das war überzeugend und es stimmt. Sie ist total ungebildet und hat aufgrund widriger Umstände keine guten Ausbildungen erhalten. Das bisschen Schule hat nur für das Nötigste gereicht. Sie ist ein liebenswerter Mensch, eine echt nette Frau. Aber eben dumm. Oder ich sage lieber: begrenzt.
Es gab eine Zeit, da glaube sie an Außerirdische. Beziehungsweise war es eine Mischung aus irgendeiner unterirdischen Macht, die die Erde und die Menschheit bedroht, und bösartigen Außerirdischen. Sie konnte da immer Bücher zu nennen. Ich hatte versucht, das ein bisschen runterzukochen. Sie hatte es nicht leicht gehabt, eine wüste, ja, gewalttätige Geschichte aus dem Kiez-Milleu. Ich mochte sie.
Jetzt aber liest sie nur noch Bibelzeugs. Natürlich, die Bibel rauf und runter. Aber vor allem so Beiwerk, Bücher, die aussehen, als hätten die Zeugen Jehovas sie drucken lassen, mit diesen naiven Bildchen und den bunten Farben. Diesmal aber sind es Titel, die von Missionierung künden, Schriften von christlichen Wissenschaftlern, die belegen, dass die Bibel recht und die Wissenschaft unrecht hat.
Ich habe tatsächlich mit ihr diskutiert, über die Höhlenmalereien von vor 30.000 Jahren, wie schön diese sind, von unseren Vorfahren an die Felswände gemalt; über das Alter der Erde und wie sich das Leben entwickelt hat; die Dinosaurier; und natürlich über die Abstammung des Menschen vom Affen. Nein, nein, der Mensch, sie wisse es nicht mehr so genau, sei laut Bibel 7.000 Jahre alt und direkt vom Herrgott erschaffen, der Eva aus einer Rippe schnitt.
Ich soll mal mitkommen in den Erweckungs-Gottesdienst, da sei der Herr leibhaftig zu erfahren und anwesend. Das würde mich umhauen! Dann würde ich verstehen. Sie hätte jetzt einen sehr guten Draht zu ihm. Ihr Gesichtsausdruck war wissend und überlegen. "Nein, ihr kiegt mich nicht, bis zum letzten Atemzug nicht!"
Es sei alles wahr, was in der Bibel stünde. Sie sei direkt von Gottvater inspiriert und von daher unfehlbar, weil nicht von Menschenhand. Aber es gibt den großen Widersacher, den Teufel. Und was die christliche Kirche an Grausamkeiten über die Jahrunderte hinweg verübte, beruhe auf falschem Glauben und dieser sei vom Satan, um die Menschen vom rechten Weg abzubringen. Ja, all das ist böse. Satan kenne viele Wege die menschlichen Seelen zu täuschen. Wer Jesus nicht annimmt, wer nicht an ihn glaubt, ist des Teufels und damit des Todes.
Homosexuelle sind natürlich krank. Sie haben sich abgewendet vom Herrn und wandeln nun in Perversion. Nein, man hat natürlich nichts gegen diese Menschen, sie müssen halt nur bekehrt werden, um wieder "normal" zu werden. Wir kennen das alles ja schon: so ist auch Abtreibung Mord und das ganze komplexe, unvollkommene und kaum zu durchschauende Gebilde, das sich Leben nennt, wird reduziert auf Gut und Böse, Gott oder Schrott.
So einfach ist das. Aus der Nummer kommt man nicht mehr raus. Am Ende ist es der Teufel, der sie versucht, der sie durch mich und meine Argumentationen von Jesus abbringen will. Dabei habe ich nur gesagt: "Ist doch toll, wenn du Jesus in deinem Herzen hast, aber erzähl mir doch nicht diesen ganzen Unfug aus der Bibel, vor allem, was ihr da rauslest. Das macht doch keinen Sinn und ist doch völlig unwichtig!"
Nein, das ist natürlich nicht unwichtig. Und in der Tat ließ sie sich neu taufen, in einem begehbaren Taufbecken ganz untertauchen, so hat sie sich denn Jesus verschrieben und wurde gerettet. Wenige sind es, ganz wenige.
Jahrelang lebte sie alleinerziehend und ohne Partner, ohne Liebe. Sie wird nun einen christlichen Mann finden müssen, der sie nicht vom wahren Glauben abbringen kann. Im Job wurde sie gemoppt und oft ausgenutzt. In ihrer Gemeinde bekommt sie endlich die Anerkennung und Zuneigung, an die es ihr solange so sehr mangelte. Aufgehoben ist sie, einen Sinn hat sie gefunden, sie ist endlich etwas wert und etwas Besonderes, weil sie von IHM auserwählt wurde, sie WEISS jetzt endlich etwas.
Ich kann keine Freundschaft mehr mit ihr haben. Sie hält sich auf Abstand. Und ich aber auch, weil ich das nicht ertrage. All die Werte, alles, was ich schätze und als wertvoll erachte - die Aufklärung insbesondere, Freiheit, Selbsterkenntnis, die Geschichte des Lebens auf diesem Planeten und die der Menschheit - wird durch diese Leute negiert und ignoriert. Sie leben in ihrer eigenen, ganz eigenen, kleinen Welt.
Wir sehen in den radikal-islamischen Terroristen, was Religion aus Menschen machen kann. Wir wissen um die Gehirnwäsche von Scientology, von der Isolation der Zeugen Jehovas, wir kennen die zerstörerischen Kräfte, die von abstrusen christlichen Sekten freigesetzt werden können. In ihnen allen können diese Erweckten ihr Spiegelbild sehen. Wir alle sehen im anderen (auch) in einen Spiegel. Aber wir wollen nicht verstehen.
Was aber sehe ich in ihr, was mir gehört? Vielleicht ist es der Neid, dass es mir unmöglich ist, mir einen so einfachen Scheuklappen-Glauben zuzulegen - im Tausch dafür, dass ich mich sicher, geborgen und anerkannt fühle. Dazu müsste ich mich selber aufgeben. Und da ist der Abgrund, der mir Angst macht.
1. http://www.feg-holstenwall.de/
2. http://www.genesisnet.info/
3. http://www.tacf.org/
=> http://www.venganza.info/
Erinnert mich ...
Diese Frau war ebenfalls in die Fänge einer obskuren Sekte geraten und mir wurde aufgrund einer mir zugeschriebenen Expertenrolle in religiösen Fragen die Aufgabe zuteil, sie wieder auf den Boden zurückzuholen.
Letztlich war es nur eine Maßnahme, die meiner Freundin half, unter dem Motto: "Versucht haben wir´s.".
Die Gehirnwäsche hat schon damals genauso funktioniert, wie du es jetzt beschreibst. Die Teufelnummer ist genial. Man muss nicht mal böse sein auf die, die einen vom "rechten" Weg abbringen wollen. Is ja nur der böse Satan, der durch sie spricht.
Darauf fallen aber nicht nur Menschen rein, die nicht ganz so gebildet oder gescheit sind. Treffen kanns jeden, wenn die Umstände danach sind und man dafür sowieso anfällig ist.
Was mich ärgert, ist, dass Sender wie VOX diesem Unsinn auch noch Vorschub leisten und am Sonntag vormittag diesen Irren, die fast ausschließlich aus dem angloamerikanischen Raum kommen, Sendezeit zur Verfügung stellen und ihnen die Möglichkeit geben, mit diesem fundamentalistischen, unkritischen Gewäsch die Menschen zu verwirren.
Das macht MIR Angst.
Greulich.
Wie heißt die Sendung bei VOX? Ich weiß, es gibt irgendwo im TV so seltsame Predigten. Habe eben kurz nachgeschaut, aber nichts davon gefunden.
Ah, ja.
Wichtige Botschaften
Von mir aus. Sie sollen mir bloß keinen Unfug erzählen, von dem Knetmasse-Gott und finsteren Teufelszeug. Und mein Geld bekommen sie auch nicht!
Von Nöten
Danke für deinen Kommentar!
Nur mal so
"Das im Adjektiv vorhandene Substantiv Not ist als Dativ Plural verblasst und wird nicht mehr als eigenständiges Substantiv empfunden, daher wird zusammengeschrieben.
Von und zu Nöten
Ich schau mir das mal an!
Oho
ich bin einer dieser Protestantischen freikirchlichen spinner (genannt baptisten ;) ) und ich finds hart, dass ihr das so verallgemeinert. Die Amerikanischen Baptisten haben kaum was mit den meisten deutschen Baptisten zu tun. (werfen den deutschen baptisten vor, sie seien nicht radikal genug)
Ich muss zugeben, dass ich hier in deutschland auch schon Gemeinden erlebt habe, die sehr heavy drauf sind, aber es sind sicherlich nicht alle so. - Das ist nicht wie bei den Landeskrichen, die ja alle irgendwie gleich sind... Freikirchen sind immer eigene Gemeinden und entwickeln mit der zeit auch eigenheiten.
Ich gehe auf gegenproteste, wenn gegen eine Moschee protestiert wird, da ich finde, dass keine Religion mehr recht hat zu bestehen als eine andere (ich kann nicht beweisen, dass die Bibel stimmt, ich glaube es nur in mir, was gläubige anderer religionen auch tun). - Ich glaube an die Evolution - Ich habe einen schwulen in meiner familie und glaube, dass gott ihn genau so gewollt hat - Ich glaube zwar an den teufel, aber nur im bildlichen Sinne - Ich lese keine bücher zum thema "wie bekehre ich leute", da ich durch mein lebe überzeugen soll und nicht durch irgendwelche überredungen..
Also entweder habe ich dein Artikel nicht verstanden und ich passe doch in dein schema eines Baptisten, oder du irrst dich damit, dass alle freikirchen so sind. (wie gesagt: es gibt tatsälich gemeinden, die sehr hardline sind, aber du spricht von allen)
Gegengewichte
Aber habe ich wirklich geschrieben ALLE (Freikirchen) sind so? Dann ist das ein Missverständnis. Denn umgekehrt wird ein Schuh draus: Findest du jemanden, der der Bibel wortwörtlich glaubt, sind es meist Freikirchler.
Es gibt ja nicht nur Babtisten.
Ich kann durchaus einen GLAUBEN respektieren, auch wenn mir das manchmal sehr schwerfällt. Ich bewundere oft die Fähigkeit in diesem Sinne zu GLAUBEN. Aber wir alle glauben irgendetwas. Doch ich bemängele hier die UNFÄHIGKEIT nachzudenken.
Und dann kommt es so, dass sich aus Mangel an Bildung und Wissen, Reflektion und Denkvermögen ein Glaube auf ein neurotisches System pfropft. Und dann wollen sie alles zurückdrehen. Und dagegen habe ich etwas.
Eine offensichtliche Verblendung halte ich nicht aus, mich nimmt das sehr mit, weil fast alle Menschlichkeit dadurch negiert wird. Freiheit, Demokratie und Menschenrecht sind ja nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden unter großen Opfern erstritten, den Mächtigen und Diktatoren abgerungen. Ein Glaube wie beschrieben negiert das ALLES. Dagegen wehre ich mich bis zum Letzten.
Ein gemäßigter und fester Glaube, wie du ihn zu haben scheinst, ist wirklich bewundernswert.
Alle Menschen sind durch irgendetwas getrennt. Du bist dies, der ist das und Konfessionen sind die schlimmsten Trennungen - wie man heutzutage deutlich sehen kann - die es geben kann. Gleichzeitig sind sie Ausdruck der unglaublichen Kreativität der menschlichen Fantasie, des menschlichen Geistes.
Ich wünsche mir eine Welt, in der organisierte Glaubenssysteme keine Rolle mehr spielt, sondern nur tiefe und aufrechte Menschlichkeit regiert. Ich bin kein Atheist. Für mich habe ich tiefinnen begriffen, dass all dies Menschenwerk ist und dass es darauf nicht ankommt - sie sind irrelevant. In diesem Sinne fühle ich mich den Buddhisten nahe.
Wir sind Kinder etwas viel Größerem. Und diesem mit einem kleinen Geist und einem engen System zu begegnen, ist völlig absurd. Erst muss die Freiheit kommen, die nur mit Selbsterkenntnis einhergehen kann, mit dem Mut, sich den Dingen ohne vorgefertigte Patterns (z. B. Glaubensmuster), die immer von AUSSEN eingebracht werden, zu stellen. Dann kann man vielleicht sehen, was für ein wunderbares und ungewöhnliches, verletzliches und kreatives Wesen man ist.
Dazu braucht man nichts glauben.










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