Einmal in der WM-Arena

Ich weiß gar nicht, was ich alles berichten soll. Ich bin voll mit Eindrücken. Ich habe sehr viele Bilder gemacht und etliche kleine Videos. Ich habe so etwas noch nicht erlebt und ich bin unheimlich dankbar und stolz. Es war mein erklärtes Ziel - ja, fast ein Lebensziel - ein Spiel, nur ein einziges Spiel bei dieser, unserer WM live im Stadion zu sehen. Ich hatte alles versucht. Und ich hätte alles gegeben, alles getan dafür (außer, meine Seele zu verkaufen). Und irgendwie hat es geklappt!

Nein, es hat nicht IRGENDWIE geklappt. Leider kann ich Einzelheiten hier nicht preisgeben. Man mag es sich vielleicht denken, wie so etwas funktioniert. Auf jeden Fall war es einerseits echter Zufall, andererseits großes, unheimliches Glück. Ich bin dabei einem Menschen bis an mein Lebensende dankbar und stehe in dessen 'Schuld'. Möglicherweise hat auch der ecuadorianische Schamane seinen Anteil daran, sowie der manchmal recht gute Draht zum 'Universum'. Es war wohl eine Mischung aus allem und ganz viel Herzblut.
Wir hatten einen hervorragenden Platz. Mittendrin. Ich kann auch hier gar nicht so viel erzählen, nur, dass wir eben auch köstlich bewirtet wurden und alles ganz prima war. Beeindruckend auch, wie perfekt solch eine Veranstaltung organisiert ist. Wie dem auch sei, wir bekamen kleine Bändchen um, die wir für unsere Bewegungen in diesem Bereich der Hamburger Super-WM-Arena brauchten. Ich nehme es bis zum Ende der WM nicht mehr ab:

Ich war höllisch aufgeregt und konnte nach dem nervenaufreibenden Spiel Deutschland gegen Polen und dem bevorstehenden Stadion-Besuch kaum richtig schlafen. Bin eh seit einer Woche voll unter Strom. Es ist alles so schön, aufregend und spannend. Jedenfalls war der Trip ins Stadion mit dieser kribbeligen Vorfreude allein schon ein Event. Wir waren zu Fuß unterwegs und grüßten die Busse mit den bunten Fans aus Süd-Amerika. Es wurden von Ecuador auf dem Weg in die Arena Panama-Hüte verschenkt. Natürlich war ich viel zu aufgedreht, um das rechtzeitig peilen zu können. Unterwegs, und dann im Stadion, massenhaft tolle, friedliche, feierwillige und gutgelaunte bunte Fans mit Hüten.

Wir saßen hinter einer vierköpfigen, farbenfrohen Familie aus Costa Rica. Der Papa mit drei Söhnen. Leider hatten sie nichts zum Jubeln, aber dennoch ihren Spaß. Ich habe mitgesungen, nach dem mir einer der Hermanez erklärte, dass SI SE PUEDE, YOU CAN DO IT heißt. Wir kamen in der Lounge auch mit Offiziellen aus Ecuador ins Gespräch - allesamt supernett - und ich musste mal wieder festellen, dass mein Spanisch nur rudimentär ist. Englisch sprechen sie kaum bis leider gar nicht.

Ich mag die Süd-Amerikaner sehr. Sie sind irgendwie anders und irgendwie ziemlich nett. Mein Herz schlug, da konnte ich nichts machen, für Ecuador. Ecuador, das klingt schon so schön. Ich hatte ja schon von meiner Begeisterung für das Spiel ihrer Mannschaft an dieser Stelle berichtet. Und so war es auch heute: Sie haben echt gut gespielt, es waren tolle Tore und es hat richtig Spaß gemacht, sie Fußball spielen zu sehen. Ich freue mich jetzt sehr auf ihr Spiel gegen Deutschland. Das wird klasse!

Die Athmosphäre in diesem Stadion war grandios. Genau das wollte ich ja einmal erleben. Und gerade mit diesen Menschen aus Süd-Amerika war es etwas ganz Besonderes. Nein, die Athmosphäre, so merke ich, lässt sich kaum beschreiben. Es reißt dich einfach mit. Und dann gabs immer wieder DIE WELLE, die eine Hand voll Deutscher Fans initierte. Die gesamte Stimmung war immer freundlich, partymäßig und lebendig. Nicht einen Hauch von Aggressivität oder Niedertracht. Wirklich ganz fantastisch. Man kriegt das ja auch am Fernseher mit und überall wird genau davon berichtet. Aber Live mittendrin ist es wirklich ergreifend. Das Spiel war so schnell vorbei, von mir aus hätte es noch Stunden so weitergehen können.

Wir saßen wirklich super, konnten alles genau erkennen. Ich habe in der Arena schon einmal den HSV spielen sehen, doch das ist Jahre her, etwa ein halbes Jahr vor Fertigstellung dieses Komplexes. Wenn man da ganz oben sitzt, ist alles sehr klein und man sieht nicht wirklich gut, was auf dem Platz geschieht. Jetzt aber ganz anders. Wirklich zum Anfassen dieses ganze Ereignis. Einfach unglaublich. GOOOOAL!!!

Costa Rica hatte keine Chance gegen die souverän agierenden Ecuadorianer. Wie hatte Costa Rica überhaupt die Tore gegen Deutschland gemacht? Immer wieder musste ich mich daran erinnern: Hey, das ist ein WM-Spiel hier. Einfach toll. Es ist ganz anders als im Fernsehen. Vor Ort ist es die natürlichste Sache von der Welt, dazusitzen, zu feiern und ein tolles Fuballspiel zu sehen. Ja, es fehlte ein wenig die Dramatik und ich wäre auch für Costa Rica aufgesprungen aus lauter Freude daran. Es macht tatsächlich großen Spaß bei Torraumszenen aufzuspringen und rumzuschreien. Überhaupt ins Spiel reinzuquatschen und ein paar Urlaute abzulassen. Herrlich.

Ach, ich könnte noch viel mehr erzählen. Ich freu mich so, es ist fantastisch. Was für ein Leben! Was für ein Ereignis!
Nun, ich will aber auch mein Versagen ansprechen. Ich erwähnte es schon, das mit dem Panama-Hut, dem ich entging - ich muss ihn mir nun anders besorgen. Doch ich habe noch an einem ganz anderen Punkt versagt: Ich habe ihn gesehen. Den Kaiser.

Ich wollte mir unbedingt vor dem Spiel das offizielle FIFA-Programmheft besorgen und hüpfte durchs Treppenhaus. Schnelle um die Ecke und wer huscht mir da entgegen? Franz Beckenbauer! Frisch, jung, dynamisch, klar. Er sieht mich, ich ihn. Ich muss völlig verdattert gewesen sein und sagte: "Hallo!"
Schon war er weg, um die Ecke. Ich zum Tresen, Heft her! und das Treppenhaus wieder hinauf. Zu spät. Dabei hatte ich mir vorgenommen, mich bei ihm persönlich für dieses Fest, diese WM zu bedanken und ihn um ein Autogramm auf meinem Ticket zu bitten. Ich hatte aber in diesem Moment mein Ticket gar nicht dabei. Er hielt sich natürlich in einem Bereich auf, für den man ein andersfarbiges Bändchen brauchte.
Wir saßen im Stadion nicht weit von ihm weg, aber immer wenn er ging oder kam, hatte ich Pinkelpause. Nicht einmal meine Kamera hatte ich zur Hand - so aufgeregt war ich. Und so schoss ich ein wackeliges Bild mit dem Handy... Am Ende verpasste ich sogar Uwe Seeler um Haaresbreite. Aber ich ärgere mich nicht. Alles ist gut, es war wirklich ganz wunderbar. Ich bin glücklich und zufrieden.

Lieber Franz Beckenbauer, ich danke Ihnen von ganzem Herzen für dieses wundervolle Fest! Von mir aus kann es ewig dauern...
Zugabe:










Trackback URL:
http://checkbox.twoday.net/stories/2180824/modTrackback