Töchter des Hindukusch
Auf der ARTE-Website heißt es, "3.000 Kalash haben sich der Islamisierung entzogen und sind weiterhin Anhänger einer faszinierenden Naturreligion." Wie lange es diesem Volk gelingen wird, ihre Religion dem Islam gegenüber zu behaupten, ist ungewiss.
Ich finde es immer besonders traurig, diese letzten Reste urtümlicher Volksgemeinschaften in diesen Zeiten zu sehen. Denn dass ihre Kulturen verloren gehen ist allenfalls eine Frage der Zeit. All diese Völker, diese Kulturen sind unbedingt schützenswürdig.
Ich denke an den Wahnsinn der Christen und der Moslems, die solche Völker seit Jahrhunderten missionieren. Die im Namen des Herren Identität, Kultur und UNSER Menschheitserbe, lebendige Geschichte auslöschen. Ich höre förmlich ihre - verachtenden - Argumente, dass sie "Seelen retten" wollen. Und ich bin mir ganz sicher, dass es ihre eigenen Seelen sind, die geretten werden müssten.
Die Naturreligionen haben einen sehr eigentümlichen Charme und man empfindet spontan Sympathie für diese Menschen. Ich frage mich dann, wie es dazu kommen konnte, dass Religionen entstanden, die so viel Unheil im Namen des Heils in die Welt brachten. Die IHRE Wahrheit als eine ÜBERGEORDNETE ausgeben. Überall kann man die Folgen davon sehen.
Und so hoffe ich sehr, dass diese Völker, mit ihrer Kulturen und ihren Religionen überleben werden. Denn ich glaube, dass es ein großer Verlust für uns alle, für die Menschheit wäre, wenn diese Kulturen verloren gingen.
Denn gerade die Vielfalt ist unser Reichtum. Und alles, was diesen Reichtum beschneidet, ist nicht gut - und kommt auch nicht "von oben". Oder doch: Denn auch Wirtschaft bedroht Kulturen. Vielleicht haben beide Arten, die geistige und die materielle (Über-)Macht, die Vielfalt vernichtet, dieselben Wurzeln.
Warum ist es nur so schwer auszuhalten, dass es nur uns hier unten gibt? Und der Rest darüber hinaus im Moment gar nicht so wichtig ist. Und wir alle einer Familie angehören und uns gefälligst auch so zu benehmen haben. Wie eine Familie, die sich gern hat. In der jeder seinen Platz hat, in der Vielfalt nebeneinander bestehen kann, von der niemand ausgetoßen oder gezwungen wird, seine Schrullen abzulegen. Das würde schon ausreichen. Die "heiligen Bücher" wären überflüssig.
Übrigens: Kürzlich erwähnte ich das Weihachtsliederbuch. Für die Musik verantwortlich zeichnet Nils Kacirek - und dieser hat auch die Musik zu jener Reportage gemacht. Auf seiner Website ein Video-Ausschnitt des Films Töchter des Hindukusch













