Schland. Nochmal.
Es gab in den Blogs einige Verrisse des Wortmannschen Sommermärchen-Films. Ich konnte das bisher nicht wirklich nachvollziehen. Es war unsere WM und der Streifen spiegelt das wieder.
Diese Special Edition nun besteht aus zwei DVDs. Auf der einen der Film, der in den Kinos und zum Nikolaus im deutschen Fernsehen lief. Auf der Extra-DVD ungeschnittene Szenen, die in dem Film nicht zu sehen waren. Und die sind wirklich klasse. Ich fürchte sogar, die sind viel besser als der Film ansich.
Beispielsweise nehmen wir an einer Taktik-Besprechung der Schland-Defensive teil. Jogi Löw, in seinem unnachahmlichen Sprech, erklärt zwei Probleme und wie sie zu lösen sind. Ganz groß.
Oder das Psychotrainung Elfmeter-Schütze. Sönke Wortmann lässt sich vom Chef-Psychologen erklären, wie man an diese Aufgabe herangeht. Ein Stück aus dem richtigen Leben.
Am Ende befindet sich ein wirklich spannendes Interview mit dem begeisterten Soziologen Prof. Dr. Thomas Druyen zum "WM-Feeling", in dem dieser deutlich macht, was im Sommer 2006 in unserem Land geschehen ist. Der Typ ist echt toll und hat auch etwas zu sagen.
Er geht kurz auf den "deutschen Charkter" ein, der zustänig ist für eine gewisse Negativität und einen latenten Pessimismus. Mir sind genügend Leute bekannt, denen eine solche Haltung grundsätzlich zu eigen ist:
"Aber irgendwie fühlte ich mich doch deutsch. Deutsch, in einer Negativhaltung: Es kann sowieso nicht klappen ..."
"Ich denke, die Euphorie ist das, was wir alle teilen. Aber das BEWUSSTSEIN, das sich herausgebildet hat, ist eine der größten Sensationen, die ich in meinem Leben jemals erlebt habe."
"Zum ersten Mal konnte man sich in Freiheit, in völliger Freude und in Überwindung des Selbstzweifels öffentlich bewegen!"
"Wenn man diese Fahnenmeere sah, wen sah man? Man sah immer wieder
Gesichter aus Ghana, aus Mexico, aus Costa Rica, aus aller Welt. Es war nicht nur deutscher Patriotismus, sondern es war schon eine Form des Weltbürgertums. Weil man sich gemeinsam freute. Man freute sich nicht GEGEN jemanden oder für etwas. Sondern die Freude hat einen Selbstzweck bekommen. Und diese Euphorie ist durch diese Truppe, durch die Art und Weise, wie die Mannschaft, das Management damit umgegangen ist, entzündet worden. Und das ist für mich die absolute Sensation."
So habe ich es auch empfunden. Und im letzten Sommer hätte passieren können, was will, nichts, wirklich gar nichts, hätte mich davon abhalten können, daran teilzuhaben. Ich habe einen Fall im Freundeskreis, wo man sich verliebt gab und allein dewegen große Teile der WM sausen ließ.
Mir hätte das nicht geschehen können. Für "eine Liebe" eine ganze Welt aufgeben? Ich bin doch nicht Romeo. Außerdem: Das war Liebe, die WM war Liebe, Liebe zum Leben, zur Welt, zu den Menschen. Alles, alles hätte warten können, denn das, was da geschehen ist, war einzigartig und nur in diesen Wochen, in diesen Momenten für alle Ewigkeit nur EINMAL möglich.
Einige werden auch das Interview mit diesem Professor verreißen, sie mögen die Arbeit von Wortmann nicht. Doch sie waren sicher nicht mit Leidenschaft und aus vollem Herzen bei diesem Weltfest dabei. Ich kann es nur immer wiederholen: Ich kenne genug Leute, die haben fürs Leben was verpasst! An ihnen ist komplett vorbeigegangen, dass dieser Wahnsinn eine spirituelle, politische, geschichtliche, tief menschliche Dimension hatte; dass es, ganz abgesehen von dem Sport, ein Beispiel für "togetherness" war. Und man ein Gefühl dazu bekam, wie diese Welt eigentlich gedacht ist!
Für mich die auf einen Schlag Wirklichkeit gewordene Spiritualität: Wir sind alle eins! Es war - und ist - mehr als Fußball, viel mehr, es war die unglaublichste Veranstaltung, die ich je erlebt habe.













