Ich Narr vergaß die Zauberdinge
Libretto von Emanuel Schickaneder
17. April 2006 in der Deutschen Oper Berlin
Nach einer Inszeneierung von Günter Krämer
Musikalische Leitung: Matthias Foremny
Königing der Nacht: Eleonore Marguerre
Papageno: Markus Brück

Ich bin echt begeistert von der grandiosen Inszenerierung der Zauberflöte in der Deutschen Oper Berlin! Unglaublich farbenfroh, sehr lebendig und sehr, sehr gut besetzt ist dieses Zauberstück des guten, alten Mozarts. Was heißt alt - ich finde die Musik ist immer noch frisch und wunderschön. Allein die Ouvertüre streicht einem Freudengänseschauerhaut über den Rücken. Auch das recht kleine Orchester war wirklich toll, wunderbar digiriert von dem bärigen Maestro Matthias Foremny.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, war das Berliner Publikum. Ein wirklich lockeres Völkchen, echt begeisterungsfähig, dankbar und froh. Es waren sehr viele Kinder im Publikum - was auch an dem frühen Termin um 18:00 Uhr lag - und es wurde nahezu jede Arie frenetisch beklatscht.
Die Publikumslieblinge in der Zauberflöte sind immer die drei Engel, die da als leichtbekleidete Knäbelein hin und wieder über der Bühne schweben, die Königin der Nacht, mit ihren zwei grandiosen, unerreichten Arien und der liebenswerte Papageno, der verhindert, dass die weihevolle und mystische Handlung der Oper zu abgehoben wirkt.
Gleich zu Beginn setzt Papageno mit der zauberhaft beschwingten Arie Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heisa, hopsassa! das erste Highlight. Das nächste gibt Tamino, der eigentliche Held des Stückes, der das Bildnis von Tamina anschmachtet und möchte, dass diese ewig sein sei: Dies Bildnis ist bezaubernd schön!
Sodann tritt die Königin der Nacht in Erscheinung und singt ein Rezitativ, das übergeht in eine der schönsten Arien, die ich kenne und die mich immer regelrecht ergreift:
Du, du, du wirst sie zu befreien gehen,
Du wirst der Tochter Retter sein.
Und werd' ich dich als Sieger sehen,
So sei sie dann auf ewig dein.
Im zweiten Akt hat die Königin der Nacht noch eine zweite Arie, die genauso fantastisch ist. Hier trällert die Sängerin in allerhöchsten Tönen (bis hinauf zum F, 4 Töne höher als das berühmte hohe C) :
Der Hoelle Rache kocht in meinem Herzen,
Tod und Verzweiflung flammet um mich her!
Fuehlt nicht durch dich Sarastro Todesschmerzen,
So bist du meine Tochter nimmermehr.
Ganz toll. Das Berliner Publikum war wirklich begeistert und tobte! Natürlich gibt es noch viel mehr wunderbare Stücke und Arien in der Zaubflöte. Das kann ich aber alles nicht anführen. Am Besten wird es sein, man schaut sich das bei nächster Gelegenheit mal selber an.
Die Storie ist etwas verquer. Es ist Oper und demzufolge geht es um Liebe - wahre Liebe natürlich - Rache, Drama, Tod und Verrat. Nur kommt hier - gottseidank - niemand zu Tode. Denn die Helden besitzen Zauberdinge, ein Glockenspiel und die Zauberflöte. Die Helden müssen, bevor sie in den Genuß der für sie vorgesehenen Liebe kommen, einige Prüfungen bestehen, in die Mysterien eingeweiht werden. Verwirrend ist, dass die zunächst als trauernde Kindsmutter in Erscheinung tretende Königin der Nacht, später so etwas wie die böse Schwiegermutter wird, und der Finsterling Sarastro sich als übermenschlicher, weiser Strahlemann geriert, der den Helden die Prüfungen abnimmt.
Auch sehr ungewöhnlich an dieser Aufführung war, das Papageno mit dem Publikum interagierte und offenbar so viel Freiraum bekam, dass er die Vogelgrippe in die Aufführung miteinbauen durfte. Man reichte ihm ein Glaserl Wein, dass er mit dem Publikum der ersten Reihe und mit dem Maestro am Pult teilte - nicht ohne ihm noch schnell frohe Ostern zu wünschen. Das war sehr lustig. Irgendwann gibt es eine Szene in einem Märchenwald, in dem ein kleines, lebendiges Osterhäschen versteckt war. Später dann schmachtete Papageno einige Damen aus besagter erster Reihe an:
Ach, kann ich denn keiner von allen
Den reizenden Maedchen gefallen?
Helf' eine mir nur aus der Not,
Sonst graem' ich mich wahrlich zu Tod!
Papageno ist die einzige wirklich menschliche Figur in dem Stück und wir identifizieren uns gerne mit ihm. Er will weder für irgendetwas sterben, noch Heldenmut aufbringen, noch Prüfungen bestehen. Er will lediglich ein 'süsses Täubchen', eine Frau, die er lieben kann, mehr braucht er nicht. Da er diese nicht findet, nicht einmal weiß, wie, versucht sich an einem Baume aufzuknüpfen:
Keine hoert mich; alles stille!
Also ist es euer Wille?
Papageno, frisch hinauf!
Ende deinen Lebenslauf!
Im letzten Moment kommen die drei Engelein angesungen und erinnern ihn an sein Glockenspiel. Daraufhin singt er meinen absoluten Lieblingssatz:
Ich Narr vergaß die Zauberdinge!
Und ist es nicht so mit uns allen im richtigen Leben?! Dass wir die Zauberdinge vergessen (haben)?! Eine solche Oper zu besuchen und sehen - das ist solch ein Zauberding. Ein Lied zu singen auch. Schmusen. Den FC St. Pauli spielen zu sehen - alles ist voller Zauberdinge, wir selbst sind es. Unser Geist, unsere Kreativität sind echte Zauberdinge. Unsere Hoffnung, unsere Liebe ist es, das Leben an sich, die kleinen Dinge...
Dann wandelt er an Freundeshand
vergnügt und froh ins bessre Land

Ein Mitschnitt einer anderen Aufführung der Zauberflöte ist online zu erreichen unter
http://www.kefk.net/Konstanze/Zauberfl%C3%B6te/












