Wohlan denn Herz
Doch wer bestimmt eigentlich, welches Jahr ist, wer ruft es aus? Der Pabst doch wohl nicht. Kofi Annan vielleicht? Oder irgendein Kulturreferent? Oder fällt es aus allen Wolken? Es werden natürlich nur großartig tote Leute aus Kultur und Geist als Jahr gekürt. Unser abendländisches Erbe halt und das ist ja auch gut so. Wieso aber nimmt man nicht zwischendrin zeitgenössische Helden des Alltags, wie beispielsweise mich? Und kommt vielleicht mal eine Frau dran? Ich hätte da eine ganze List an Vorschlägen! Als erste – wahrlich grandios – Desiree Nick für ihre Performance in "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" 2004. Oder die bezaubernde Fotografin Sally. Oder meine Lieblings-Web-Standartin Molly E. Holzschlag.
Aber, gut, Mozart also. Ich liebe seine Musik und habe mich seinerzeit, durch "Amadeus" - unerreicht und zauberhaft, er läuft heut Abend in der ARD - inspiriert, in Leben und Werk des Lieblings der Götter reingesteigert. Das hat schon damals meine Umgebung befremdet, da ich als Elektro-Bassist ja aus dem Rock´n Roll (schmutzig und laut) komme. Aber Mozart ist eben Mozart. Und ich liebe Musik wirklich.
Wer einmal einem klassischem Konzert beiwohnte, in dem Stücke verschiedener Komponisten dargeboten wurden, hat es vielleicht schon erlebt: Mozarts Musik überrascht – und ergreift! Der Raum verändert sich, er scheint erfüllt mit einer eigenartigen, leuchtenden Harmonie, die, na ja, mit deiner Seele spricht und sie anfüllt mit Zartheit. Und dann weißt du, warum es heißt: Liebling der Götter.
Ich liebe Opern! Natürlich zuerst die Zauberflöte. Und die Hochzeit des Figaro. Klar, die Entführung aus dem Serail, mit der großartigsten Bass-Arie der Weltgeschichte. Nicht zu vergessen Don Giovanni. Dieses Jahr ist also angefüllt mit Schmacht und Liebreiz, mit Vogelfängern, Pagagenas und Königinnen der Nacht ("Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen, Tod und Verzweiflung flammet um mich her!"). Mit Leidenschaft und Harmonie – und mit diesem gigantischen, weltberühmten hohen C! Opern sind wie richtiges Leben: Voller Wahnsinn und Verzückung, voller Gefahren und Irrtümer, und vor allem voller Liebe und Schwärmerei.
Dabei sind wir ja soeben aus dem Schiller-Jahr gekommen. Schiller! Das passte schon sehr gut. Und ich hatte es tatsächlich geschafft, Weimar zu besuchen und mich in Schillers Wohnhaus zu begeben! Ich empfand große Sympathie für diesen toten Dichter und habe mir zum ersten Mal zwei Schiller-Bücher besorgt. Demnächst werde ich von Schillers Liebschaften lesen, denn auch diese waren eher ungewöhnlich. Weimar ist toll und Kultur ist toll - und überlebenswichtig (für mich).
Mal sehen, ob ich in diesem Jahr Salzburg schaffe...
Das Mozart-Jahr begann für mich recht vergnüglich und völlig ohne Rauschdrogen. Ich war die ganze Nacht über klar wie der helle Morgen und hatte – trotzdem, oder gerade deswegen – jede Menge Spaß! Und irgendwann in dieser Nacht fiel mir doch, geradezu wie in einer Mozart-Oper, ein super-sympathisches, sehr lebendiges Fräulein in die Arme – oder ich ihr. Wir werden sehen. Und so schließe ich hier und beginne das neue Mozart-Jahr mit einem Schiller-Zitat:
In des Herzens heilig stille Räume
Mußt du fliehen aus
des Lebens Drang,
Freiheit ist nur in
dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Gesang.









